28.04.2021 12:00 |

krone.at-Kolumne

Nina Proll & Co.: Kritik muss erlaubt sein!

Natürlich kann man darüber streiten, ob es nicht geschmackvollere Stilmittel als plumpen Sarkasmus gibt, um sich kritisch mit den Corona-Maßnahmen der Regierung auseinanderzusetzen. Die anschließende Empörung über #allesdichtmachen war aber überzogen. Kritik an der Politik muss immer erlaubt sein. Auch in Krisenzeiten.

Zumindest eines ist nach der Aktion #allesdichtmachen gewiss: Die 50 Schauspieler werden den Kabarettisten in Zukunft keine ernst zu nehmende Konkurrenz sein. Das ironische Aufarbeiten der Corona-Maßnahmen war zwar sichtlich bemüht, aber durch die Bank bestenfalls halblustig. Wem dabei ein Lacher ausgekommen ist, der hat wohl einen eher einfachen Sinn für Humor. Lustig war es nämlich nicht.

Meinungsfreiheit feiern, aber Kritik kritisieren
Was die darin enthaltene Botschaft - die Kritik an den Corona-Maßnahmen - betrifft, kann man sagen, dass sie vielleicht unglücklich verpackt war. Man muss die Schelte an der Regierung auch nicht teilen. Dass nun aber ausgerechnet jene, die die Meinungsfreiheit als hohes Gut unserer Demokratie hochleben lassen, aus moralisch-ethischen Gründen versuchen, Schauspielern das Recht auf Regierungskritik abzusprechen, erstaunt. Auch für Künstler gilt die Meinungsfreiheit.

Kritik macht einen noch lange nicht zum Corona-Leugner
Natürlich kann man argumentieren, dass eine Gesundheitskrise kein Spielfeld für Wortspenden von Nicht-Experten ist. Auch hat man einen Punkt, wenn man sich über die Veralberung der Maßnahmen aufregt, wenn doch Menschen auf den Intensivstationen röcheln und viele auch an Corona sterben. Dennoch muss man es auch bei aller Ernsthaftigkeit für das Thema irgendwann gut sein lassen. Denn: Maßnahmenkritik macht einen noch lange nicht zu einem herzlosen Corona-Leugner.

Wenn Beifall von der falschen Seite kommt
Aber genau diese Schublade ist bei kritischen Worten als allererste offen. Unangenehm wird es dann, wenn der Beifall dann auch noch von der falschen Seite kommt. Wenn die Querdenker applaudieren, ist es ganz schnell vorbei mit dem Recht auf Meinungsfreiheit. Da kann man noch so wenig dafür können - die Schublade ist zu und die Etikettierung perfekt. Das Fatale daran: Die Idioten-Haftung macht die Angst vor dem öffentlichen Diskurs noch größer und die Gesellschaft verstummt. Und das kann keiner von uns wollen.

Zumindest das Diskutieren muss noch erlaubt sein
Klar: Man hätte die Aktion besser machen können, alles in allem waren die sarkastischen Videos unüberlegt. Nicht zu diskutieren ist aber auch keine Lösung. Bei allen Lockdowns, Restriktionen und Maßnahmen muss zumindest noch das erlaubt sein. Es ist ohnehin eine der wenigen Freiheiten, die wir noch haben.

Katia Wagner
Katia Wagner
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