22.04.2021 12:55 |

Klimawandel schuld?

Obstanbau wird immer mehr zur Zitterpartie

Vorarlbergs Obstbauern müssen nach den jüngsten Frostnächten mit empfindlichen Ernteausfällen rechnen. Das eigentliche Dilemma sind die zu hohen Temperaturen im Februar und März: Diese führen dazu, dass die Bäume zu früh austreiben und blühen - zieht dann eine eisige Kaltfront auf, sind die Schäden oft enorm. Die Problematik hat seit 2016 deutlich zugenommen.

Dass der April in Sachen Witterung ein recht wankelmütiger Monat ist, ist nun nicht gerade eine neue Erkenntnis. Frostnächte gehören genauso zum Repertoire wie Temperaturen deutlich über der 20-Grad-Grenze. Ein neues Phänomen sind allerdings die ungewöhnlich warmen Spätwinter. In Kombination mit einem frostigen April sind die Auswirkungen insbesondere für Obstbäume fatal: Die Pflanzen treiben früh aus, manche stehen bereits im März in der Blüte. Kommt dann der Frost, sterben Knospen und Blüten ab, folglich bilden sie auch keine Fruchtkörper aus. In Vorarlberg war das heuer wieder der Fall: „Wir hatten sechs Frostnächte, wobei viele Obstbäume zum Glück noch am Beginn der Blüte standen. In der Nacht von Ostermontag auf Dienstag fielen die Temperaturen auf fast sechs Grad Minus - da sind dann auch die meisten Schäden passiert. Aber so schlimm wie 2017 war’s nicht“, sagt Ulrich Höfert von der Landwirtschaftskammer.

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Seit 2016 hat sich die Situation sehr zugespitzt: Die Bäume stehen immer früher in der Blüte, der Frost im April aber bleibt.

Ulrich Höfert

  • Der Überblick:
    Betroffen waren vor allem Apfelbäume, bei der Sorte Boskop sind 80 Prozent der Blüten abgestorben, bei den Sorten Elstar und Gala beträgt der Ausfall rund 50 Prozent. Selbst wenn die übrigen Blüten gut durchkommen und in hoher Zahl bestäubt werden, dürfte die Ernte im Herbst sehr dürftig ausfallen. Der Grund: Apfelbäume folgen einem Zweijahreszyklus - und da im Vorjahr die Erträge sehr üppig ausfielen, war von vornherein schon mit einem mageren Apfeljahr zu rechnen.
  • Bei den Birnen ist ebenfalls nicht mit einem Ernterekord zu rechnen - das gilt insbesondere für die sensible Sorte Williams: Zwar ist deren Blüte durchaus frostresistent, allerdings bremst die Kälte die Befruchtung. Bei der Landwirtschaftskammer befürchtet man, dass bis zu 80 Prozent der Ernte ausfallen könnten.
  • Ganz ähnlich sieht das Bild bei den Zwetschgen aus: Die Blüten haben die Kälte gut überstanden, die Befruchtung könnte aber zu einem Problem werden.
  • Sehr differenziert ist der Status quo bei den Kirschen: Viele Anlagen stehen zwischen Wohnhäusern und sind dementsprechend gut geschützt. Wo der Frost aber voll zugeschlagen hat, sind erhebliche Einbußen zu erwarten. Im Kirschendorf Fraxern wurden zwar ebenfalls Schäden gemeldet, allerdings war dort aufgrund der Höhenlage die Vegetation noch nicht so weit fortgeschritten.

Situation hat sich zugespitzt
Nun haben Obstbauern immer schon mit einem sorgenvollen Blick Richtung Himmel geschaut, Ernteausfälle gehören gewissermaßen zum Beruf. Neu ist aber, dass das Zittern um die Ernte zu einem Dauerzustand geworden ist: „Seit 2016 hat sich die Situation sehr zugespitzt: Die Bäume stehen immer früher in der Blüte, der Frost im April aber bleibt“, stellt Höfert fest. Sein Schluss: „Das sind die Auswirkungen des Klimawandels.“

Temporäres Phänomen oder Klimaveränderung?
ZAMG-Experte Helfried Scheifinger bestätigt die Beobachtungen von Höfert, ist in seinem Urteil aber ein wenig zurückhaltender: „Fakt ist, dass es seit 2016 eine auffällige Häufung von milden Spätwintern und Frost im April gibt. Am ausgeprägtesten war dieses Phänomen im Jahr 2017: Damals war es in den Monaten Februar und März ungewöhnlich warm und der Vegetationszyklus entsprechend weit fortgeschritten. Im April hat sich dann eine Polarfront breitgemacht und einen Großteil der Blüten vernichtet - laut einer Studie hat es seit Anbeginn der Wetteraufzeichnungen noch nie eine derart extreme Konstellation gegeben. Es muss sich aber erst herausstellen, ob es sich dabei um ein temporäres Phänomen oder eine generelle Klimaveränderung handelt.“
Die Sorgen der Obstbauern dürften also nicht weniger werden. Außer sie haben sich auf den Anbau von „Subira“ spezialisiert: Diese alte und robuste Vorarlberger Kulturpflanze zeigt sich nämlich von Wetter und Klima ziemlich unbeeindruckt, selbst Frost kann ihr nur wenig anhaben

 Vorarlberg-Krone
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