18.04.2021 09:00 |

Sicherheitsmanager

Er ist die neue Grazer „Krisen-Feuerwehr“

Gilbert Sandner ist seit etwas mehr als zwei Wochen der Sicherheitsmanager der steirischen Landeshauptstadt - warum gerade der Ennstaler der Richtige für den verantwortungsvollen Job ist. Und: Wer sein „Telefonjoker“ ist.

Am 1. April ist in Graz eine Ära zu Ende gegangen, wir haben berichtet. Wolfgang Hübel, der lange Jahre für die Sicherheit und den Katastrophenschutz zuständig war, ist in Pension gegangen. In dieser Zeit ist viel passiert: die Amokfahrt, die Flüchtlingskrise, die Brandanschläge, die Sprengung der Fliegerbombe beim Hauptbahnhof. Und Hübel war immer die „Krisen-Feuerwehr“. Das Heimweg-Telefon, das sogar in andere Städte „exportiert“ worden ist, war seine Erfindung. Zuletzt arbeitete er an einem Sicherheitskonzept für das Rathaus und das Amtshaus.

„Er hat gesagt, ich kann ihn immer anrufen“, verrät sein Nachfolger Gilbert Sandner. Man kennt sich: „Wir sind beide bei der Feuerwehr in Gössendorf.“ Dass Sandner zur Feuerwehr geht - er war damals erst 13 Jahre alt - war naheliegend, im wahrsten Sinne des Wortes: „Ich bin in Ardning neben dem Rüsthaus aufgewachsen“, erzählt er, vor allem die Feuerwehrautos hätten es ihm als kleines Kind angetan gehabt. Mit 23 war er Kommandant-Stellvertreter.

Mit seinem Lebenslauf ist der 31-jährige Jungpapa - Tochter Valentina ist vor neun Wochen auf die Welt gekommen - wie geschaffen für den Job als Sicherheitsmanager. Er studierte zuerst Geoinformationstechnologie im Universitätszentrum Rottenmann. Sein Diplomarbeitsthema: „Digitale Lageführung im Katastrophenfall“. Danach ging er nach Graz und arbeitete für das Rote Kreuz. „Ich habe auch meinen Zivildienst als Rettungssanitäter geleistet.“

Vom Roten Kreuz zur Stadt Graz
Zuletzt war er stellvertretender Leiter der Rettungsleitstelle. „Ich war dort für die Technik zuständig, ich komme vom Programmieren“, sagt der Ennstaler. Berufsbegleitend machte er noch das Masterstudium Risikoprävention und Katastrophenmanagement an der Universität Wien. „Ich bin so immer mehr in das Thema reingekommen.“

Er ist auch krisenerprobt. Seine bisher größten Einsätze seien der Murenabgang in St. Lorenzen im Jahr 2012, bei dem 70 Häuser verschüttet wurden, und der Großbrand bei der Firma Georg Fischer in Altenmarkt 2016 gewesen. „Aber Graz ist eben die zweitgrößte Stadt Österreichs - das ist natürlich eine ganz andere Dimension“, weiß Sandner, was auf ihn zukommt.

37 Stiere auf der Autobahn
Nie vergessen werde er auch, als auf der A9 ein Tiertransporter brannte. Sandner war damals Einsatzleiter. 37 Stiere standen auf einmal auf der Autobahn - „ich hab schauen müssen, dass niemand die Sirene einschaltet, sonst wären die alle auf und davon gewesen“, kann er heute darüber schmunzeln - denn zum Glück konnten alle Tiere gerettet werden.

Seine Arbeit bei der Stadt Graz beginne aber nicht erst, wenn etwas passiert, betont Sandner. „Im Katastrophenfall gibt es zuerst immer eine Chaosphase - es ist wichtig, dass man so schnell wie möglich zu einem strukturierten ,Doing’ kommt.“ Doing - das englische Wort für Handeln. Das Tagesgeschäft sei daher das Erstellen von Einsatzplänen, die man dann im Ernstfall nur aus der Schublade zu holen braucht. „Es geht darum, gerüstet zu sein.“

Sicherheitsmanager Sandner sitzt jetzt auch im Corona-Krisenstab der steirischen Landeshauptstadt. Nach einem Jahr Coronakrise wolle er „schauen, ob man dort und da etwas besser machen kann“. Und auch mit dem Thema Erdbeben wolle er sich befassen - Ende Dezember hat ja die ganze Stadt gewackelt, ein Wunder, dass es zu keinen Schäden gekommen ist

Ernst Grabenwarter
Ernst Grabenwarter
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