17.04.2021 19:00 |

Inventur in der Natur

341 Arten und eine Mission im Naturpark Karwendel

So umfassend wie nie wurde jetzt im Tiroler Naturpark Karwendel die Artenvielfalt erfasst. Das Ziel der Erhebung: Tiere und Pflanzen mit Schlüsselfunktion noch besser schützen. Die Studie soll auch als Vorbild für andere Schutzgebiete dienen.

Zwischen Scharnitz und Achensee, Hafelekar und Schafreuter ist der Naturpark Karwendel mit 727 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet dieser Art in Österreich. Das Corona-Jahr haben Naturpark-Geschäftsführer Hermann Sonntag und sein Team genutzt, um Inventur zu machen. Jedes Moos, jeder Vogel, jeder Grashüpfer wurde für die nun fertiggestellte Artenschutzstudie ausgeforscht, die Professor Leopold Füreder von der Uni Innsbruck erstellt hat. „341 Arten wurden berücksichtigt. Der Fokus liegt auf 24 Arten, die von besonderer Bedeutung sind. Arten, die nur hier zu finden sind oder deren Vorkommen für viele andere Tiere oder Pflanzen entscheidend ist“, beschreibt der Biologe die Herangehensweise. Orientiert habe man sich an der Erhebung, die einst für die Unterschutzstellung des Lechs durchgeführt wurde.

Der prominente Adler und das seltene Trompetenmoos
Eine illustre Runde lebt im Karwendel Tür an Tür. „Der Steinadler ist bekannt und braucht nicht mehr so viel Werbung. Wir wollen aber auch weniger sichtbare Arten ins Blickfeld rücken“, nennt Naturschutz-Landesrätin Ingrid Felipe (Grüne) als Beispiel das Trompetenmoos, das nirgendwo auf der Welt so reichlich vorkommt wie am Ahornboden in der Eng. Nicht alle der 24 prioritären Arten sind selten. Sonntag fällt der Schwarzspecht ein, der in den Wäldern gut vertreten ist. Er habe jedoch für viele andere Tiere eine spezielle Bedeutung, „weil seine Höhlen fleißig nachgenutzt werden“. In die Hit-Liste aufgenommen wurden auch besonders sensible Zeitgenossen wie der Flussuferläufer. Dieser mag es gar nicht, wenn der Mensch in seine Nähe kommt und zieht sich bei geringsten Störungen immer weiter zurück.

Fünf Handlungsspielräume für mehr Schutz
„Die aktuelle Studie bildet eine wesentliche Grundlage für die zukünftige Naturschutzarbeit im Karwendel“, verweist Felipe auf das Ziel der Erhebung. Fünf Handlungsspielräume zählt Naturpark-Chef Sonntag auf: „Anhand der Daten können der rechtliche Schutz und der konkrete Schutz vor Ort bei Veränderung schneller angepasst werden.“ Auch das Parkmanagement rund um Almpflege und Waldbau könne so besser abgestimmt werden. „Zum Schutz bestimmter Arten - wie dem erwähnten Flussuferläufer - sind spezielle Besucherlenkungen vorgesehen“, erklärt Sonntag und erwähnt auch die Funktion der Studie „als Leitlinie für weitere Beobachtungen“. Als Beispiel führt er das jetzt schon sehr selten vorkommende Alpenschneehuhn an. Diesem setzt der Klimawandel erheblich zu. Kann sein, dass das Schneehuhn bald auswandern muss.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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