Kritik am Regelwerk

Loitzl: “Seit heuer kannst du machen, was du willst!”

Sport
05.01.2011 10:32
Wolfgang Loitzl, 31 jahre junger "Altstar" der ÖSV-Adler, hat am Dienstag die Entwicklungen der vergangenen Jahre kritisiert. Viele Reglement-Änderungen waren für den zweifachen Familienvater aus der Steiermark ein Schlag ins Wasser, was dazu führte, dass du "seit heuer alles machen kannst, was du willst". Außerdem scheint die internationale Solidarität unter den Skispringern ein frommer Wunsch zu bleiben, und die durch die neuen Bindungen ausgelöste Gewichtsdebatte sei kontraproduktiv.

"Es hat geheißen, die Springer müssen schwerer werden. Im ersten Moment habe ich mich gefreut, weil das ja auch mir zugutegekommen wäre", sagte Loitzl. Er selbst hat immer wieder Probleme mit dem Abnehmen gehabt, weil er eher zu den schwereren Athleten zählt. Als der Body-Mass-Index für diese Saison auf 20,5 angehoben wurde, schien das eine gute Maßnahme.

"Aber im Grunde ist es genau das Gegenteil. Es ist zwar der BMI nach oben gesetzt worden. Aber es sind nur die Ski kürzer geworden und die Springer können so leicht sein, wie sie wollen. Das ist wieder so eine Sache, die genau in die verkehrte Richtung geht", erklärte der Mannschafts-Olympiasieger von 2010. Es gebe immer wieder Schlupflöcher, die sich die Athleten suchten. Denn ein Unterschreiten der Gewichtsgrenze ziehe ja nur eine Verkürzung der Skilänge nach sich, um den Adlern sozusagen weniger Tragfläche zu bieten.

Loitzl für Startverbot bei zu wenig Gewicht
Warum man dann nicht einfach den BMI-Wert nicht nur vorschreibt, sondern im Fall des Unterschreitens auch "Schutzsperren" - wie es aus gesundheitlichen Gründen ja auch im Langlauf möglich ist - verhängt? "Das habe ich schon vor zwei Jahren gesagt, dass ich der Meinung bin, es gehört ein Mindestgewicht her. Wenn ein Athlet das nicht hat, darf er nicht an den Start gehen", fordert Loitzl auch heute noch. Damals sei er vom norwegischen Trainer Mika Kojonkoski dafür kritisiert worden. Für Loitzl spielt aber das Gewicht eine große Rolle. "Es hat sich gezeigt, dass trotzdem etwas Leichteres besser fliegt, als etwas mit einer längeren Tragfläche."

Auch die derzeitige Bindung sei keinesfalls mehr eine Sicherheitsbindung. "Seit heuer kannst du machen, was du willst", meint Loitzl. Dass er mit den Entscheidungen der FIS und der geringen Einflussnahme durch die Athleten nicht glücklich ist, spiegelt sich für ihn auch in der Preisgeldproblematik wieder.

Preisgelder nicht hoch genug
Die 80.000 Schweizer Franken (63.700 Euro), die beispielsweise Thomas Morgenstern in der bisherigen Saison verdient hat, wohlgemerkt mit sechs Tagessiegen, hält Loitzl für zu gering. "Das kriegt ja ein Alpiner, wenn er einmal runterfährt. Das ist eigentlich ein Wahnsinn. Ich möchte einen Alpinen sehen, der in Kitzbühel für ein Drittel vom jetzigen Preisgeld noch runterfährt. Die würden auf der Stelle boykottieren."

Die FIS hat ja vor der Saison 2009/10 einfach beschlossen, das Sieges-Preisgeld auf 10.000 Euro (7.960 Euro) zu dritteln, jenes der zweit- und drittplatzierten Athleten zu halbieren. Dafür erhält nun auch noch der auf Rang 30 platzierte Springer einen Minimalbetrag. Der bei der Tournee abwesende Andreas Küttel aus der Schweiz ist übrigens der Athletensprecher. "Er hat nicht unbedingt die Härte, dass er auf den Tisch haut", meinte Loitzl.

Ob es Preisgeld, Sicherheit oder neue Reglementbestimmungen gibt, zu oft schauen die Nationen nicht über den eigenen Tellerrand, lässt Loitzl durchblicken. Die Dominanz der Österreicher mache diese nicht unbedingt beliebt. "Jede Nation schaut, dass Sachen, die Thema sind, so verändert werden, damit sie uns nicht weiterhelfen."

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