10.04.2021 08:00 |

Im Eiltempo

Klimawandel: Dachstein-Gletscher schrumpft weiter

Der Klimawandel bedroht unsere Gletscher immer mehr. Der Längenverlust am Dachstein betrug allein in der abgelaufenen Saison 9,4 Meter. Nun wurde ein Maßnahmenpaket geschürt, das die wertvollen Eisflächen retten soll. Das Schlimmste zu verhindern versucht man mit Schutzvlies und Entlüftungsanlagen.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Georg Bliem hat seit nunmehr zehn Jahren als Leiter der Planai-Bahnen einen guten Überblick über den Dachstein mit all seinen touristischen Spielereien. Im Leben eines Gletschers stellt diese Zeitspanne nur einen Wimpernschlag dar - möchte man meinen: „Der Eisverlust ist aber sogar in den wenigen Jahren klar spür- und sichtbar. Das kann man einfach nicht mehr schönreden“, sagt der Touristiker.

Eine subjektive Wahrnehmung, die von den jüngsten Gletschervermessungs-Ergebnissen des Österreichischen Alpenvereins untermauert wird: „Von den bundesweit 92 Gletschern, die wir untersucht haben, verloren 81 an Länge. Der mittlere Rückzug betrug 15 Meter, am Dachstein waren es 9,4 Meter“, berichten die beiden Messdienst-Leiter Gerhard Karl Lieb und Andreas Kellerer-Pirklbauer.

Gletscherspalten können Wanderer und Sportler verschlucken
Der Klimawandel als mächtigster Konkurrent des ewigen Eises bereitet den Experten zunehmend Sorge: „In unserem Beobachtungszeitraum von Oktober 2019 bis April 2020 war es im Schnitt über zwei Grad zu warm. Im Jänner, Februar und April 2020 gab es mit bis zu vier Grad über dem Schnitt sogar extrem hohe Abweichungen. Parallel verzeichnen wir immer weniger Niederschlag“, weiß Kellerer-Pirklbauer. Die Folgen sind längst dramatisch: „Gletscherspalten, die sich plötzlich auftun, sind eine ernste Gefahr für Wanderer und Tourengeher. Vor drei Jahren hatten wir gleich vier folgenschwere Zwischenfälle am Dachstein, bei dem neugierige Besucher zu nah an den Abgrund gekommen und dann abgestürzt sind“, erinnert sich Bliem.

Grund genug, um viel Geld und Energie in neue Schutzmaßnahmen zu stecken: „Ein eigener Sicherheitsbeauftragter kontrolliert zum Beispiel gemeinsam mit der Ramsauer Bergrettung und dem Alpenverein ständig den Weg von der Seilbahn-Bergstation zur Seethalerhütte auf Gletscherspalten und ändert die Route je nach Notwendigkeit immer wieder ab“, erzählt der Ennstaler.

Strenges Gäste-Limit soll Eispalast schützen
Auch der Eispalast als wichtiger Gästebringer der Region ist mittlerweile schutzbedürftig: Aufgrund der steigenden Temperaturen muss dieser im Frühjahr mit einem Vlies ummantelt werden, zudem dürfen nur noch maximal 900 Besucher pro Tag in die Höhle. Da dies noch nicht ausreicht, um den gewünschten Erfolg zu bringen, drehen die Verantwortlichen nun noch an weiteren Schrauben - Bliem: „Wir haben am Ein- und Ausgang der Touristenattraktion nun auch noch Entlüftungsanlagen zur besseren Temperatur-Regulierung installiert - das hilft uns ordentlich.“

Angst vor Felsstürzen: Monitoring eingeführt
Ein weiteres Schreckgespenst für die Touristiker: Zieht sich das Eis zurück, steigt parallel die Gefahr von Felsstürzen. Auch darauf müssen die Planai-Bahnen neuerdings verstärkt achten: „Wir haben in Kooperation mit mehreren Universitäten ein permanentes Monitoring der Permafrost-Entwicklung eingeführt. Jede noch so kleinste Bewegung am Berg und auf dessen Unterboden muss kontrolliert werden“, erzählt der Planai-Chef. Am 13. Mai will man übrigens in die neue Saison starten - Bliem: „Wir können die Leute ja nicht nur hinauf bringen auf den Berg und dann darauf pfeifen, wie es ihnen dort oben geht.“

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Sonntag, 23. Jänner 2022
Wetter Symbol
Steiermark Wetter
-1° / 4°
stark bewölkt
-2° / 4°
bedeckt
-2° / 3°
bedeckt
-1° / 3°
Schneeregen
1° / 3°
bedeckt
(Bild: Krone KREATIV)