31.03.2021 18:58 |

Kein Arztbesuch

Nawalny in Straflager in Hungerstreik getreten

Die Anwälte des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny beklagen seit Tagen den „sehr schlechten“ Gesundheitszustand ihres Mandanten. Nach eigenen Angaben plagen den 44-Jährigen starke Rückenschmerzen. Zudem habe er Lähmungserscheinungen im rechten Bein, schreibt Nawalny in einem aktuellen Posting auf seiner Instagram-Seite. Doch ärztliche Hilfe bekommt der im Februar zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilte Oppositionspolitiker offenbar keine. Nun ist Nawalny aus Protest in einen Hungerstreik getreten.

„Ich habe den Hungerstreik erklärt mit der Forderung, das Gesetz einzuhalten und den eingeladenen Arzt zu mir zu lassen“, heißt es in der Mitteilung des 44-Jährigen. Ärzte und seine Anwälte befürchten, dass er das Bein verlieren könnte. Nawalny ist in Pokrow rund 100 Kilometer östlich von Moskau im Gebiet Wladimir inhaftiert.

„Häftlingsleben weniger wert als eine Schachtel Zigaretten“
„Ich liege nun hungrig, aber noch mit beiden Beinen“, schreibt Nawalny. Er habe das Recht auf einen Arzt und auf Medikamente, doch erhalte er weder das eine noch das andere. Der Hungerstreik sei das einzige Mittel des Kampfes für ihn. Auch im linken Bein habe er bereits stellenweise das Gefühl verloren. „Statt medizinischer Hilfe erhalte ich Folter durch Schlafentzug (sie wecken mich acht Mal pro Nacht) ...“ Mitgefangene hätten ihn wissen lassen, dass das Leben eines Häftlings in dem Lager weniger wert sei als eine „Schachtel Zigaretten“.

Repressionen gegen Nawalnys Mitarbeiter
Der Kreml sieht bisher keine Probleme bei der medizinischen Versorgung in russischen Straflagern. Auch die Strafvollzugsbehörde weist die Vorwürfe nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax zurück. Der Verurteilte erhalte die notwendige medizinische Hilfe. Unterdessen beklagen weitere Mitarbeiter Nawalnys Repressionen. So kritisierte Iwan Schdanow vor Tagen, dass sein 66 Jahre alter Vater wegen erfundener Vorwürfe verhaftet worden sei. „Sie wollen mein Leben zur Hölle machen“, schrieb Schdanow bei Facebook. Die Verhaftung seines kranken Vaters sei das Schlimmste, was ihm das System antun könne. Schdanow ist Direktor des von Nawalny gegründeten Fonds zur Korruptionsbekämpfung.

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