Madrid

Weiter Aufregung um Tennis-Models

Sport
21.10.2004 16:55
Sie sind hübsch anzusehen, aber dies ist auch der Grund für die Aufregung. Beim Madrider Masters-Turnier sorgen die Ballmädchen mit ihren langen Beinen für mehr Wirbel als die Tenniscracks um Andre Agassi mit ihren Lobs und Volleys. Als besonderen Werbegag haben die Veranstalter Models engagiert, die einmal am Tag beim "Topspiel des Tages" die Bälle aufsammeln. Der Einsatz der Laufstegschönheiten auf dem Tenniscourt löste jedoch eine stürmische Debatte aus.
Das spanische Arbeitsministerium sah darin eineForm des Sexismus und forderte den sofortigen Abzug der Models."Die Frauen werden als bloße Objekte der Dekoration missbraucht",beschwerte sich die Beauftragte für Gleichberechtigung, SoledadMurillo. Die Sozialisten (PSOE) unterstützten den Vorstoß;die Vereinte Linke (IU) befürchtet Schaden für MadridsOlympia-Kandidatur für 2012. Die VerbraucherorganisationFACUA kündigte eine Klage gegen die Modefirma Hugo Boss an,die die Models verpflichtet hatte. 
  
Veranstalter wehren sich 
Die Veranstalter verstehen die Aufregung nicht. "Dannmüsste man auch die Cheerleader beim Basketball abschaffenund bei der Formel 1 die Mädchen abziehen, die an den Boxenposieren", meint Turnier- Direktor Manolo Santana - ein Ex-Profi,der seine Tenniskarriere als Balljunge begonnen hatte. 
  
Die Models wirken beim Laufen ein wenig stelzig.Man merkt ihnen an, dass ihnen im Umgang mit den Tennisbällendie Übung fehlt. Sie hatten vorher in einem Kursus die Grundregelndes Tennis erlernen müssen, damit sie nicht im falschen Momentauf das Spielfeld laufen. 
  
Wen interessiert das Tennis? 
"Wer achtet bei den Models überhaupt noch aufdas Tennis?" fragt die britische Zeitung "Daily Mail". Dabei sinddie Ballmädchen mit ihren ärmellosen schwarzen Hemdenund den weißen, knielangen Röcken dezenter gekleidetals so manche Profi-Spielerin. Die Tenniscracks selbst haben keineEinwände gegen die Schönheiten am Spielfeldrand. "DieMädels sehen doch hübsch aus", befand der Brite TimHenman. Thomas Haas ergänzte: "Sport ist Entertainment. Tennisbraucht so etwas." 
  
Agassi wenig begeistert 
Nur Andre Agassi ist etwas skeptisch. "Ich weißnicht, ob so etwas zu unserem Produkt gehört", meinte derAmerikaner. "Es ist schwer, sich auf den Ball zu konzentrieren.Aber ich denke, dass ich da einen Vorteil habe, denn ich bin esgewohnt, mit meiner Frau zu spielen." Dem Ehemann von Steffi Graffällt auch ein Verbesserungsvorschlag ein: "Die Röckeder Models sollten etwas kürzer sein. So kann man schlechtdamit laufen." 
  
Models verstehen Aufregung nicht 
Die Models selbst können die Kritik an ihremTennis-Einsatz nicht nachvollziehen. "Wer von Sexismus spricht,sollte mal zu einer Modenschau gehen", sagt die 23-jährigeMarta Romero. "Wir tun hier unsere Arbeit, und es macht uns obendreinSpaß." Nur die Schüler und Schülerinnen einerTennisschule, die sonst für die Stars die Bälle holen,sind sauer: "Die Models nehmen uns die besten Spiele weg", beschwertsich der 16-jährige Ivan. "Obendrein bekommen sie Geld füretwas, was wir gratis tun." 
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