08.03.2021 19:00 |

krone.tv-Reportage

Häusliche Gewalt: „Du bist nicht alleine!“

Häusliche Gewalt an Frauen (und Kindern) ist aktueller denn je, besonders seit Beginn der Corona-Pandemie ist das Problem noch schlimmer geworden. Laut ersten Schätzungen stiegen die Fälle um etwa 30 bis 40 Prozent, die Dunkelziffer ist noch viel höher. Die Täter sind meistens Männer, die dem Opfer nahestehen: egal ob (Stief-)Vater, Partner, Sohn, Bruder, Onkel, … Aber warum werden Männer gewalttätig? Wie funktioniert die Gewaltspirale und wie kann sie durchbrochen werden? Wie finden Frauen einen Weg hinaus? Was haben männliche Rollenbilder und patriarchale Denkweisen damit zu tun? Expertinnen und Experten klären in dieser krone.tv-Reportage auf.

„Das sind Schläge, das ist Treten, das sind Vergewaltigungen, das ist aber auch psychische Unterdrückung - Männer, die ihre Frauen nicht außer Haus gehen lassen und so weit Kontrolle ausüben, dass die in jedem ihrer Lebensschritte eigentlich untergeordnet leben müssen“, erklärt Julia Herr, Abgeordnete der SPÖ, in der Reportage. Gewalt äußert sich nicht nur körperlich, auch mit Worten und psychischen Manipulationen kann viel Schaden angerichtet werden. Für Rechtsanwältin Mag. Sonja Aziz ist zum Beispiel klar: „Erste Warnzeichen sollten […] sein, wenn der Partner besonders eifersüchtig ist.“

Gewaltspirale durchbrechen
Der Kreislauf der Gewalt, auch „Gewaltspirale“ genannt, macht es für Frauen besonders schwer zu entkommen. Maria Rösslhumer ist die Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser und sieht diese Spirale immer wieder: Auf Gewalttaten folgen immer wieder Phasen der Reue, Versprechen, dass so etwas nie mehr vorkommt, und besondere Bemühungen seitens der Täter - die Betroffenen glauben ihnen, geben ihnen immer wieder eine Chance … Dann gibt es wieder einen Konflikt und wieder wird Gewalt angewendet.

Mag. Romeo Bissuti ist Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe und weiß: „Es ist wirklich ein Rad an Dominanz und Kontrolle.“ Der Weg heraus sei nicht einfach, besonders weil die „Trennung oft die gefährlichste Situation“ sei, erklärt er. Dabei komme es nämlich viel zu oft zur schlimmsten Gewalttat: der Ermordung der Frau, auch „Femizid“ genannt.

„Ich konnte nie Freundinnen mit heimnehmen ...“
Wir sprechen außerdem mit N., die in ihrer Kindheit und Jugend selbst häusliche Gewalt durch ihren Stiefvater erlebt hat. Sie erzählt uns, was er ihr und ihrer Mutter angetan hat und wie sie schließlich einen Weg hinausgefunden hat. Anfangs war er noch der „Vorzeige-Lebensgefährte“, aber dann wurde es immer schlimmer: „Viele haben es nicht ernst genommen, viele haben weggeschaut. […] Was ich nie vergessen werde, ist, dass sogar der Polizist gemeint hat: ,Ja, so junge Madln behaupten gleich mal so Sachen…‘“ Und das geht leider noch immer sehr vielen Frauen so.

Kein Einzelfall
„Es ist kein Einzelfall, man ist nicht allein damit, man hat nichts falsch gemacht. Es ist ein strukturelles Problem in unserer Gesellschaft“, versichert Abgeordnete Herr. Vielmehr müssten die Männer lernen, Probleme ohne Gewalt zu lösen und sich von fixierten Rollenbildern distanzieren, denn die fördern Gewalttaten.

Gemeinsam gegen häusliche Gewalt
Und zum Schluss der Reportage geben Ihnen die krone.tv-Moderatorinnen Raphaela Scharf, Damita Pressl, Katia Wagner, Anna Schuster, Anna Illenberger, Kimberly Budinsky und Annie Müller Martínez dann auch noch eine wichtige Message mit auf den Weg: „Häusliche Gewalt kennt keine Heimat oder Herkunft, keinen Glauben, keine politische Einstellung, kein Alter, kein Einkommen, aber häusliche Gewalt betrifft besonders Frauen. Du bist nicht alleine!“

Wenn Sie selbst von häuslicher Gewalt betroffen sind oder jemanden kennen, wenden Sie sich bitte an die Frauenhelpline in Österreich:
Telefonnummer: 0800 222 555
E-Mail: frauenhelpline@aoef.at

www.frauenhelpline.at

Annie Müller Martinez
Annie Müller Martinez
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