04.03.2021 06:00 |

„Finanziell im Eck“

Öffnungen: Wirte legen Alternativvorschläge vor

Kaum eine positive Stimme gibt es zur geplanten Öffnung der Gastgärten Mitte bzw. Ende März: „Zu unsicher, zu aufwendig“, lautet der Tenor. Von den Gastronomen kommen nun alternative Vorschläge.

Seit einem Jahr zittern sich Gastronomiebetriebe von Lockdown zu Lockdown (siehe Grafik unten). „Wir müssen weg von den Infektionszahlen und hin zu einem klaren Stufenplan - sonst ist es möglich, dass wir das ganze Jahr zubleiben“, sagt Wirte-Sprecher Mario Pulker.

Grafik: Das vergangene Jahr in der Gastronomie

Schon jetzt steht Schätzungen zufolge einer von fünf Betrieben vor der Pleite. „Mich erreichen täglich Nachrichten von Unternehmern, die ihre Privatreserven mittlerweile aufgebraucht haben.“

Experten für langfristigere Hilfen
Es brauche neue, langfristigere Hilfen für die Branche, so Experten. So könne man etwa die bisher gestundeten Steuern und Abgaben in zinsfreie, langfristige Kredite umwandeln oder die Mehrwertsteuersenkung auf fünf Prozent bis 2022 verlängern. Pulker fordert zudem, dass „der Umsatzersatz endlich ausbezahlt wird. Da warten viele Betriebe noch auf die Zahlungen aus November und Dezember.“

„Vermieter stehen finanziell im Eck“
Einer Gastgartenöffnung steht Pulker, wie die meisten seiner Branchenkollegen, skeptisch gegenüber. Sie betrifft zehn bis 20 Prozent der Unternehmen, ist personalintensiv und stark vom Wetter abhängig. „Und viele von ihnen haben jetzt schon Angst, dass trotz Mehraufwand und weniger Umsatz dann die Pacht wieder fällig wird“, sagt Pulker. Denn auch die Vermieter stehen nach einem Jahr ohne Einnahmen finanziell im Eck.

Wunsch der Wirte: Aus für 50-Meter-Regel
Eine Alternative kommt vom Kärntner Gastronomen Franz Huditz: Er plädiert dafür, die „50-Meter-Regel“ abzuschaffen. Zurzeit dürfen Gäste Speisen und Getränke abholen, aber nicht vor dem Lokal essen und trinken. „Das Verbot aufzuheben hätte denselben Effekt wie die Gastgarten-Öffnung, bei weitaus geringerem Aufwand“, sagt Huditz. Man brauche kein Extra-Personal und hätte keinen Aufwand für Eintrittstests.

Pulker hält die Idee für sinnvoll und schon mit 15. März, „spätestens mit 27.“ umsetzbar. „Sonst holen sich die Leute das Essen im Supermarkt und setzen sich in den Park - das nützt den Zahlen nicht, schädigt aber die Gastro.“ Im Gesundheitsministerium verweist man darauf, dass die Details gerade ausgearbeitet würden.

Gelten Wohnzimmertests bald auch als Eintrittstests für Gastro?
Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) kündigte am Mittwochabend bei oe24.TV an, dass die in den Apotheken gratis erhältlichen Wohnzimmertests auch als Eintrittstests für die Gastronomie gültig sein werden. Sie merkte aber ebenfalls an, dass dies nur bei Kontrolle durch eine unabhängige Person möglich sein wird: „Wir haben uns mit dem Gesundheitsministerium darauf verständigt, dass es die rechtlichen Voraussetzungen zur Verfügung stellt, dass ein Reintesten mit den Wohnzimmertests in der Gastronomie möglich sein wird. Es wird aber eine zweite Person brauchen, die das validiert, dass es die Abstrichabnahme gegeben hat.“

Aus dem Gesundheitsressort hieß es dazu gegenüber der APA, Selbsttests kämen nur unter Kontrolle durch eine „offizielle Person“ oder ein Labor für Zutrittstestungen beim „Pilotprojekt“ Vorarlberg infrage. Wie das genau funktionieren soll, ist noch offen. Die Details dazu werden „aktuell erarbeitet“, dies betreffe sowohl die Antigen-Tests als auch PCR-Tests (wie etwa die Gurgeltests). Wichtig dabei sei ein regelmäßiges zwei- bis dreimal wöchentliches Testen „und der niederschwellige Zugang“, hieß es aus dem Gesundheitsministerium.

Kronen Zeitung

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