Wiener Wirte einig:

„Der Schanigarten alleine wird sich nicht rechnen“

Wien
02.03.2021 18:00

Von Jubelschreien sind Gastronomen nach Bekanntgabe der Schanigärten-Öffnung Ende März weit entfernt. „Das ist nur eine nette PR-Geschichte“, sagt Lokalbesitzer Berni Kaiser. Seine Kollegen stimmen ihm bei einem „Krone“-Rundruf unter Wiener Wirten zu: „Die Öffnung wird sich kaum rechnen.“

Endlich wieder aufsperren, das wollen die Wirte seit Monaten. „Die Schanigärten-Öffnung ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, findet Berni Kaiser. Er betreibt im 21. Bezirk „Auf a Tratscherl“. Das kleine Café lebt wie viele von seinen Stammgästen. „Für sie werde ich öffnen. Rechnen wird sich das aber nicht.“ Von 20 Plätzen im Schanigarten bleibt durch die Abstandsregelung nur ein Drittel übrig.

(Bild: Klemens Groh)
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Wir freuen uns, endlich wieder unserem Handwerk nachgehen zu dürfen. Doch die jetzige Regelung bietet kein realistisches Szenario für einen wirtschaftlichen Betrieb.

Berni Kaiser, Besitzer „Auf a Tratscherl“

Viele Punkte ungeklärt

So ist es auch beim Gasthaus zum Buchenbeisl in Favoriten. „In der Praxis ist diese Art der Öffnung nicht so umsetzbar, das es wirtschaftlich ist“, weiß Chef Manuel Schmidt. „Was mache ich dann? Wieder zusperren?“

Viele Punkte bezüglich der Öffnung seien auch noch ungeklärt. Was passiert, wenn es zu regnen beginnt? „Dürfen die Gäste im Innenbereich fertig essen oder muss ich sie im Regen stehen lassen“, fragt Kaiser.

Manuel Schmidt, Chef des Dresdnerhofs im 20. Bezirk. (Bild: Gerhard Bartel)
Manuel Schmidt, Chef des Dresdnerhofs im 20. Bezirk.
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Dies ist nur wieder ein weiteres „Hinhalten“ der Gastronomie. Man holt sich Besitzer von Haubenlokalen an den Verhandlungstisch. Die Interessen vom Wirt ums Eck sind egal.

Manuel Schmidt hat zwei Gasthäuser in Wien

Weniger Gäste durch Eintrittstests befürchtet

Und wie läuft es mit den Eintrittstesten ab? „Die Vergleiche mit den Friseuren sind falsch. Ein Mal im Monat nimmt man den Test in Kauf, aber nicht täglich, um auf einen Kaffee zu gehen“, befürchtet Angy Visak, die im 11. Bezirk ein Café führt.

(Bild: Zwefo)
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Der Erfolg des Schanigartens hängt vom Wetter ab. Schönes Wetter kann aber niemand garantieren. Ich habe große Zweifel an diesem Konzept. Ich glaube, dass es sich nicht rechnen wird.

Angy Visak betreibt Angy`s Café im 11. Bezirk

Öffentliche Flächen für Schanigärten nutzen

Da nicht jedes Lokal über einen Schanigarten verfügt, sieht Fachgruppenobmann der Wiener Wirtschaftskammer, Wolfgang Binder, eine Ungleichbehandlung. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) will den Wirten ohne Außenbereich helfen: Öffentliche Schanigarten sollen für sie eingerichtet werden. Die konkreten Plätze werden nun ausgearbeitet.

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