22.02.2021 14:14 |

Treffen in Brüssel

EU bringt neue Russland-Sanktionen auf den Weg

Wie angekündigt, bringt die EU wegen der Inhaftierung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny neue Russland-Sanktionen auf den Weg. Die Außenminister der EU-Staaten einigten sich am Montag bei einem Treffen in Brüssel darauf, mit den notwendigen Vorbereitungen für die Strafmaßnahmen zu beginnen, wie mehrere Diplomaten bestätigten. Außenminister Alexander Schallenberg hatte sich im Vorfeld „ein grünes Licht auf politischer Ebene zu weiteren Sanktionen gegen Russland, gegen Personen im Justizapparat, im Polizeiapparat, die unmittelbar verantwortlich sind für den Umgang mit dem russischen Oppositionellen Alexej Nawalny“, erwartet.

Dass Sanktionen gegen Russland „zahnlos“ seien, glaubte Schallenberg vor dem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel nicht. Wenn dies der Fall wäre, würde Moskau nicht mit Drohungen antworten, so der Außenminister. Einerseits versuche man mit Sanktionen eine „Verhaltensveränderung“ herbeizuführen, anderseits setze man ein „klares Signal, dass wir eine Maßnahme, eine Politik“ ablehnen.

Diplomaten zufolge wollen die Außenminister einen politischen Grundsatzbeschluss zu neuen Sanktionen fassen. Konkret sollen die Strafmaßnahmen erst später ausgearbeitet werden. Die EU wolle dabei erstmals ihr neues Sanktionsregime zu Menschenrechtsverletzungen nutzen, sagte die schwedische Außenministerin Ann Linde in Brüssel. Betroffene würden dabei mit Einreiseverboten und dem Einfrieren ihrer Vermögen in der EU bestraft.

Zu dem umstrittenen Besuch des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell erklärte Schallenberg: „Grundsätzlich glaube ich, dass es richtig war, den Dialog fortzusetzen und nach Moskau zu fahren.“ Mit Blick auf die Ausweisung von drei EU-Diplomaten während des Besuchs kritisierte er Moskau scharf. „Das ist kein Umgang unter Partnern, mit denen man eine enge Beziehung pflegt, und das wird sicher ein Nachspiel haben, auch im Sinne der von mir befürwortenden Sanktionsschritte.“

EU soll nicht vor Sanktionen gegen Oligarchen zurückschrecken
Die Unterstützer des Kreml-Kritikers haben die EU aufgefordert, nicht vor Sanktionen gegen russische Oligarchen zurückzuschrecken. Er halte solche Strafmaßnahmen rechtlich für möglich, sagte Nawalny-Mitarbeiter Leonid Wolkow vor Journalisten in Brüssel. Ohne die Präsident Wladimir Putin nahestehenden Oligarchen sei die „Unterdrückungsmaschinerie“ in Russland nicht vorstellbar. Und die Oligarchen profitierten wiederum von ihr.

Nawalny selbst und das Europaparlament hatten gefordert, dass die EU auch Präsident Wladimir Putin nahestehende Oligarchen auf die Sanktionsliste setzt. Dies gilt aber als unwahrscheinlich. In Brüssel wird darauf verwiesen, dass Sanktionsbeschlüsse auch einer Anfechtung vor Gericht standhalten müssten und eine direkte Verantwortung von Oligarchen für die Inhaftierung Nawalnys kaum nachgewiesen werden könne.

Quelle: APA

Harald Dragan
Harald Dragan
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