19.02.2021 06:00 |

67 Prozent Zuspruch

U-Bahn in Graz: Das sind die wichtigsten Details

Sechs Fachexperten aus den Bereichen Verkehr, Tunnelbau und Wirtschaft haben das Konzept für die Grazer Metro ausgearbeitet. Die „Krone“ kennt die Details zu der umfangreichen, neuen Studie. Und: Ersten Umfragen zufolge sagten 67 Prozent der „Krone“-Leser, die U-Bahn sei eine gute Idee!

Eines ist sicher: Der verkehrspolitische „Wurf“ einer Metro für Graz, wie ihn die Politik ankündigte, ist tatsächlich groß. Und anscheinend ist es der Zuspruch aus der Bevölkerung auch: Am Donnerstag, als das Projekt veröffentlicht wurde, klickten 67 Prozent der krone.at-User auf „Ja“, eine Metro ist ein sinnvolles Vorhaben.

Die Studie zur U-Bahn wurde von einer Projektgesellschaft mit externen Experten, angeführt von dem Grazer Verkehrsplaner Kurt Fallast, erarbeitet. Das sind die Details.

Finanzen: „Für jeden Euro, den wir in die Grazer Metro investieren, kommen 3,9 Euro zurück“, sagt Sebastian Kummer von der Wirtschaftsuniversität Wien, der das Projekt auf seine Wirtschaftlichkeit hin untersucht hat. Wie kommt der Wert zustande? 6,7 Milliarden Euro werden Errichtung und Betrieb der Metro auf 60 Jahre gerechnet kosten. Dem gegenüber steht laut Kummer ein volkswirtschaftlicher Nutzen von 26,1 Milliarden Euro - der setzt sich unter anderem zusammen aus den Kosten, die Grazer sparen, wenn sie statt dem Auto die Metro benutzen, aber auch aus zusätzlichem Wachstum für Tourismus, Handel und Co. Stellt man die beiden Summen in ein Verhältnis, so kommt der Wert 3,9 heraus - aus jedem Euro werden 3,9, wie Kummer sagt.

Der Kostendeckungsgrad des Projekts liegt übrigens bei 53 Prozent - also müssen 47 von der öffentlichen Hand bezahlt werden. Trotzdem muss das Geld wo herkommen. Stottert man die 3,3 Milliarden Euro Errichtungskosten über 60 Jahre bei einem Zinssatz von einem Prozent ab, so sind es 74 Millionen Euro pro Jahr. Das sind fast 6,2 Millionen Euro im Monat - und das bis ins Jahr 2081.

Umwelt: „Die Klimaziele können wir nur erreichen, wenn wir den Pkw-Verkehr reduzieren“, sagt Martin Fellendorf von der TU Graz. Ändert sich nichts, kommen jedes Jahr 2500 Pkw hinzu - eine Kolonne von Puntigam bis Andritz! 450.000 Fahrten führen täglich über den Stadtrand von Graz. Die Feinstaub-Problematik der Stadt ist altbekannt.

500 Millionen Euro wurden zwar in den letzten 20 Jahren in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs investiert. Trotzdem blieb der „Modal Split“ in Graz nahezu unverändert: 1982 wurden 42,6 Prozent der Wege mit dem Auto zurückgelegt, 2018 war dieser Wert in relativen Zahlen ein wenig geringer (41,6).

Die Metro soll die Auto-Wege um 12 Prozent reduzieren. 120 Millionen Pkw-Kilometer jährlich weniger entsprechen einer CO2-Einsparung, als würde man 1,4 Millionen Bäume pflanzen.

Takt und Nähe: Die Wartezeiten an den Haltestellen der Mini-Metro sollen kurz sein: Tagsüber würde alle zweieinhalb bis fünf Minuten eine U-Bahn fahren. „Die Wartezeit wird nie mehr als siebeneinhalb Minuten sein“, sagt Peter Veit von der Grazer TU. Ob das auch für die Nacht gilt, steht noch nicht fest.

Die Zuglänge ist je nach Bedarf anpassbar und reicht von 30 (220 Fahrgäste) bis 60 Meter (440). Die Kapazität soll etwa zu zwei Drittel ausgenutzt werden - „so ist die Metro gut gefüllt und trotzdem komfortabel“. Fahrer brauchen die vollautomatischen Züge keine - ein Grund, wieso eine Metro heute billiger ist als noch vor 20 Jahren.

Übrigens würden 43 Prozent der Grazer näher als 600 Meter an einer der 26 U-Bahn-Stationen wohnen - und demnach auch mehr als die Hälfte weiter weg.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
Ernst Grabenwarter
Ernst Grabenwarter
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