Mi, 19. Dezember 2018

"Krone"-Reportage

08.12.2010 19:59

Strache in Israel: Rätselrallye im Heiligen Land

Heinz-Christian Strache reiste von der Negev-Wüste durch das Westjordanland in die israelische Hauptstadt Jerusalem. Das wirft die nicht einfache Frage auf: Was treibt den FPÖ-Chef plötzlich an?

Drei Tage, von Sonntag bis Dienstag, war Strache in Israel. Mittwochmorgen kehrte der FPÖ-Chef aus dem Heiligen Land zurück. Ist der 41-jährige Regierungsschreck ein anderer geworden? Hat der rechtspopulistische Oppositionspolitiker mit einem Teil seiner Vergangenheit abgeschlossen? Will Strache seine Freiheitliche Partei zu neuen Ufern führen?

Für eine abschließende Beurteilung ist es zu früh. Diese Reise, die wie eine Rätselrallye kreuz und quer durch das Heilige Land führte, sollte nicht jetzt schon als Trick abgetan werden. Ebenso wenig kann ein solcher Trip die Sünden der Vergangenheit auf einen Schlag vergessen machen. Beides wäre gleichermaßen unseriös.

Es geht um Bündnispartner gegen Islamisten
Jedenfalls müssen die Fakten bewertet werden. Fakt ist, dass Strache auf das Programm gut vorbereitet war – informiert und interessiert. Da haben im Hintergrund offenbar der jüdische FPÖ-Stadtrat David Lasar und der ebenfalls mitreisende EU-Abgeordnete Andreas Mölzer als "Geschichtsbuch der Partei" ganze Arbeit geleistet.

Fakt ist auch, dass Strache bei seinen Treffen im westlichen Negev, in der aus dem Gazastreifen immer wieder beschossenen Stadt Sderot oder bei den jüdischen Siedlern im Westjordanland freundlich empfangen worden ist.

Lea Malul, die Sprecherin des Barsilai-Spitals, in dem viele Opfer des Hamas-Terrors behandelt werden, sagte: "Israel braucht in Europa solche Verbündete wie Herrn Strache." Was sie damit meint, ist – obwohl unausgesprochen – klar: Es geht um Bündnispartner gegen den islamistischen Fundamentalismus. Das ist die größte, vielleicht die einzige Gemeinsamkeit. Auch Eliezer Coen, ehemals Luftwaffen-Oberst und Abgeordneter der Knesset, redet vor allem nur über den islamischen Terror – und er führte den FPÖ-Chef zu einer Panzerbrigade, einem Außenposten beim Gaza-Streifen.

Nicht minder entgegenkommend die Begrüßung für Strache und Begleitung durch die – von ihrer Mission überschäumend überzeugten – jüdischen Siedler. "Wir sind froh über diesen Besuch aus Europa, damit mehr Menschen unsere Situation verstehen", sagte Elykaim Haetsni, einer der Gründerväter der auch in Israel kritisch bewerteten jüdischen Siedlerbewegung.

Dewinter und Co. waren mit von der Partie
Mehr als skeptisch sieht das Tom Segev, israelischer Star-Historiker. Auch in Österreich bekannt durch seine fulminante Wiesenthal-Biografie, in der unter anderem Heinz Fischer als früherer SPÖ-Klubchef eine unrühmliche Rolle einnimmt. Segev meinte im Gespräch mit dem Autor dieses Berichts, dass die Siedler wohl nicht wüssten, mit wem sie sich einlassen, wenn sie Strache empfangen.

Tatsächlich ist an Straches Israel-Reise einiges irritierend. Beispielsweise, dass Rechtsaußenpolitiker wie Philip Dewinter mit von der Partie sind. Andererseits wirkte Strache nach dem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem (Bild) ehrlich erschüttert. Nur: Man müsste schon ein Herz aus Stein haben, bliebe man bei dieser Dokumentation des Grauens der Shoah ungerührt.

Diesen Zwiespalt bei den Beobachtungen kann nur Strache selbst auflösen. Durch das, was er sagt und tut. Demnächst will der FPÖ-Chef jedenfalls in den Libanon reisen.

von Claus Pándi, Kronen Zeitung, aus Israel

"Politik im Bild" zu Strache in Israel auf PULS 4
Ein Hinweis in eigener Sache: Claus Pándis wöchentlicher Videoblog "Politik im Bild" kommt jetzt auch im Fernsehen. Erstmals am 21. Dezember auf PULS 4 um 22.25 Uhr. Und zwar mit einer Dokumentation über Straches drei Tage in Israel - und sonst natürlich wie gewohnt weiterhin auf krone.tv (siehe Infobox).

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