08.12.2010 21:26 |

Ärger am Flughafen

Berlakovich macht sich mit Ausraster zum Polit-Gespött

Mit einem Ausraster am Flughafen von Paris hat sich Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich am Mittwoch zum Gespött der Innenpolitik gemacht. Der eigentlich als ruhig und zurückhaltend bekannte Burgenländer bekam vor einer Delegation einen Tobsuchtsanfall, weil er seinen Flieger zur Klimakonferenz nach Cancun, Mexiko, verpasst hatte und sich von der Botschaft in Paris im Stich gelassen fühlte.

Der Berlakovich-Tross sollte Montagabend mit Air France von Wien über Paris nach Cancun fliegen. Weil aber die Maschine aus Wien zu spät abhob, verpasste die Truppe in der französischen Hauptstadt den Langstreckenflug.

Berlakovichs Mitarbeiter wollten, dass die österreichische Botschaft in Paris bei Air France interveniert, um den Cancun-Abflug um ein paar Minuten zu verzögern. Das sei "Usus", heißt es. Als das aber nicht gelang - weil sämtliche Leute inklusive Außenminister Michael Spindelegger, der derzeit im Sudan weilt, nicht erreichbar waren - und die Maschine dem Minister vor der Nase davonflog, soll Berlakovich einen regelrechten Tobsuchtsanfall bekommen haben. Wörtlich habe er die Botschaft in Paris einen "Saustall" genannt und der Landwirtschafts-Diplomatin in der Botschaft ausgerichtet, ihr Posten werde aufgelöst. "Nie mehr Air France!", habe Berlakovich geschnaubt, berichtete die "Presse".

Spott und Hohn für Berlakovich
Für die politischen Opponenten des ÖVP-Politikers war der "Saustall"-Sager am Mittwoch ein willkommenes Feiertagsfestmahl: "Minister Berlakovich ist doch tatsächlich der Meinung, ein Abflug einer Maschine der Air France habe sich gefälligst nach ihm zu richten", ätzte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter. "Mit Nachdruck" sei allerdings zurückzuweisen, dass es "Usus" sei, dass Botschaftsvertreter und Attachees diverse Sonderprivilegien von reisenden Regierungsmitgliedern zu organisieren hätten. "Bei Dienstreisen des SPÖ-Regierungsteams von Bundeskanzler Werner Faymann werde stets penibel darauf geachtet, dass es keinerlei Privilegien gegenüber Normalbürgern gebe", meinte Kräuter.

Als "peinlich, abgehoben und realitätsfremd" wertete FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky die Reaktion des Umweltministers, der "bedauerlicherweise einen Anschlussflug verpasst hat und sich dabei von seiner Bedeutsamkeit fälschlicherweise mit dem Papst oder dem US-Präsidenten verwechseln dürfte". "Was Berlakovich widerfahren ist, geschieht jedem normalen Flugpassagier am laufenden Band. Da braucht man weder wüten noch Diplomaten vor die Türe setzen. Etwas mehr Bodenhaftung wäre für den Herrn Minister durchaus angebracht."

"Nikolaus heißen und sich wie Krampus aufführen"
"Umweltminister Nikolaus Berlakovich sollte dringend eine ressortinterne Klimakonferenz abhalten. Sein kolportiertes Verhalten gegenüber seinen Mitarbeitern wegen eines verpassten Fluges ist eines österreichischen Ministers völlig unwürdig und im Ausland doppelt kontraproduktiv. Nikolaus zu heißen und sich wie ein verspäteter Krampus aufzuführen, ist nur lächerlich", meinte BZÖ-General Christian Ebner.

Vonseiten der Grünen hieß es: "Berlakovich hat in Paris sein Flugzeug nach Cancun verpasst und sich groß darüber aufgeregt. Diese Aufregung des Landwirtschaftsministers vermisse ich, wenn er die Klimaziele Österreichs nicht nur knapp verpasst, sondern um Längen", meinte Umweltsprecherin Christiane Brunner. Österreich zähle zu den Klimasündern, denn statt 13 Prozent CO2 gegenüber 1990 einzusparen, stoße Österreich jetzt um elf Prozent mehr aus. "Da wäre große Aufregung angebracht", so Brunner.

Berlakovich ist mittlerweile freilich in Mexiko angekommen. Er musste die Nacht auf Dienstag in Paris verbringen und dann über New York nach Cancun reisen. Einen Tag der Klimakonferenz hat er damit versäumt. Der Klimagipfel läuft noch bis Freitag.

Spindelegger: "Botschaft hat keine Fehler gemacht"
Außenminister Michael Spindelegger verteidigte am Mittwoch die Pariser Botschafts-Belegschaft. Er könne trotz der deftigen Kritik seines Parteikollegen Berlakovich kein fehlerhaftes Verhalten von Vertretern des Außenministeriums erkennen. Er habe sich alle Unterlagen zu dieser Angelegenheit kommen lassen, betonte Spindelegger, der momentan in Sachen UNO-Sicherheitsrat im Sudan weilt. Die österreichische Vertretung in Frankreich sei über die Reise von Berlakovich nicht informiert gewesen. Daher habe es auch keine Möglichkeit für eine Hilfestellung gegeben. "Der Fehler liegt im Landwirtschaftsministerium."

Auf die Frage, ob er mit Berlakovich noch persönlich über dessen Vorwürfe reden werde, meinte Spindelegger zurückhaltend: "Wenn er das will..." Allerdings sei er selbst derzeit im Sudan und Berlakovich ja in Cancun beim Klimagipfel, fügte der Außenminister hinzu. Bis zum nächsten persönlichen Treffen werde die Sache kein Thema mehr sein, vermutete der Außenminister.

Berlakovich: "Geschichte wird aufgebauscht"
"Diese Geschichte wird in Österreich maßlos aufgebauscht", sagte Berlakovich am Donnerstag zu Berichten über seine Verärgerung wegen einem verpassten Flug in Paris. Er habe "überhaupt nicht die Nerven verloren", sagte der Ressortchef in der "ZiB 2". Tatsache sei, dass er sich geärgert habe "wie auch andere Passagiere" - weil er das Flugzeug, das ihn zum Klimagipfel nach Cancun bringen sollte, zwar sehen konnte, aber nicht einsteigen durfte.

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