„Gerne diskutieren“

AMS-Chef für Erhöhung des Arbeitslosengeldes

Politik
30.01.2021 14:12

AMS-Chef Johannes Kopf sprach sich am Samstag für eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes in Österreich aus. Auch eine weitere Einmalzahlung für Arbeitslose im Zuge der Corona-Krise könne er sich vorstellen. Prinzipiell möchte Kopf das derzeit gültige Modell der Kurzarbeit auch im zweiten Quartal beibehalten. Für eine Erholung der Wirtschaft sei insbesondere auch der Fortschritt bei den Impfungen wichtig.

Derzeit sind in Österreich 460.000 Menschen in Kurzarbeit und 530.000 ohne Job. Die Arbeitslosigkeit könnte aber bereits im März im Vorjahresvergleich wieder sinken. Grund dafür sei, wie Kopf im „Ö1-Mittagsjournal“ erklärt, aber noch kein wirtschaftlicher Aufschwung, sondern, dass der erste Lockdown im Vorjahr noch für viel schlechtere Arbeitsmarktdaten gesorgt hat.

Hoffen auf Impf-Effekt
Derzeit würden vor allem medizinische Prognosen den weiteren Wirtschaftsverlauf bestimmen, so Kopf - die Konjunktur werde aber mit einem positiven Impf-Effekt wieder anziehen. Bis dahin spricht sich Kopf für eine Verlängerung der Coronavirus-Kurzarbeit aus. Das Instrument der Kurzarbeit federe die Krise am Arbeitsmarkt etwas ab.

Die derzeitige Regelung läuft mit Ende März aus. „Ich glaube, dass es auch im zweiten Quartal die Kurzarbeit mit der heutigen Regelung braucht, aber dass ab Sommer dann doch eine Veränderung nötig ist“, erklärt der AMS-Chef.

Um wieder möglichst viele Menschen in die Arbeit zu bringen, seien Qualifizierungsmaßnahmen nötig, so Kopf. (Bild: APA/Herbert Neubauer)
Um wieder möglichst viele Menschen in die Arbeit zu bringen, seien Qualifizierungsmaßnahmen nötig, so Kopf.

„Mit Kurzarbeit keine künftige Arbeitslosigkeit verdecken“
Es dürfe nämlich nicht sein, dass die Kurzarbeit „notwendige Strukturreformen“ bremst. „Daher braucht es auch ein Exit-Szenario aus der Kurzarbeit.“ Denn es gebe wohl Fälle, wo diese nur künftige Arbeitslosigkeit verdecke. Es sollten nicht Mitarbeiter in Bereichen „gehortet“ werden, wo sie nach der Krise nicht mehr gebraucht werden.

Hier sei es „gescheiter, wenn Menschen arbeitslos werden und woanders etwas finden - wenn der Aufschwung da ist“, so Kopf, der als Beispiel den Städte- und Kongresstourismus nannte, der besonders lange zum Erreichen des Vorkrisenniveaus benötigen dürften.

Sorge um Qualifikation vieler Kinder
Aufgrund des Home-Schoolings mit dem viele Kinder und Jugendliche nicht so gut zurechtkommen bestehe die Gefahr, dass die Zahl schlecht qualifizierter arbeitsloser junger Menschen steige, so Kopf. Das komplette Schuljahr würde er „vom Gefühl her“ eher nicht wiederholen. Dafür gebe es zu viele, die doch ausreichend mit der Schulsituation klarkommen. „Ein Jahr wiederholen würde auch bedeuten, dass es null Lehrlinge gibt.“

Kopf schlägt zur Bewältigung der Krise ein ähnliches Modell vor, wie die „Aktion 20.000“ - ein Steckenpferd von Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern. (Bild: APA/Herbert Neubauer)
Kopf schlägt zur Bewältigung der Krise ein ähnliches Modell vor, wie die „Aktion 20.000“ - ein Steckenpferd von Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern.

Arbeitslosengeld auf 70 Prozent des letzten Gehalts erhöhen
Die von Teilen der Opposition geforderte Erhöhung des Arbeitslosengeldes will Kopf „gerne länger diskutieren“, aber nicht während der Krise vom Zaun brechen. Grundsätzlich sei eine Erhöhung nötig. Einfach anheben könne man die Zahlung aber nicht - etwa auf 70 Prozent des letzten Gehaltes. „Gerade Niedrigverdiener bekommen schon bis zu 80 Prozent“, sagte Kopf.

Wenn man 70 Prozent zahle und zum Arbeitslosengeld auch weiter geringfügig bis zu 470 Euro dazuverdienen könne komme es zu einer „Höhe, die fast einer Vollzeitbeschäftigung entspricht und wir haben ein Arbeitsanreizproblem. Der Anreiz muss erhalten bleiben, daher muss man das umfangreicher diskutieren.“ Vorerst kann sich der AMS-Chef eine weitere Einmalzahlung an die Arbeitslosen in der Corona-Krise vorstellen.

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