29.01.2021 08:51 |

EU entscheidet heute

AstraZeneca-Zulassung nur für unter 65-Jährige?

Knapp ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie steht die EU-Zulassung eines dritten Impfstoffes gegen das Coronavirus kurz bevor. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA trifft am Freitag eine Vorentscheidung über die Zulassung des Wirkstoffes von AstraZeneca - auf dem Vakzin basiert nicht nur der europäische, sondern zum Großteil auch der österreichische Impfplan. Die Empfehlung für eine bedingte Marktzulassung gilt als sicher, allerdings wird damit gerechnet, dass die Experten den Impfstoff zunächst nur für Personen bis 65 Jahre empfehlen könnten - wie dies auch Deutschland handhabt.

Bisher sind in der EU nur die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Weil das Vakzin des schwedisch-britischen Pharmakonzerns AstraZeneca aber nicht nur günstiger, sondern auch in der Logistik einfacher zu handhaben ist, ruht die Hoffnung der EU und somit Österreichs auf diesem Impfstoff. Doch nicht nur Berichte über eine möglicherweise geringere Wirksamkeit bei Älteren sorgt für Besorgnis bei Impfwilligen, ungeklärt ist zudem noch immer, wie viele Impfdosen von AstraZeneca geliefert werden können.

Streit um Lieferengpässe
Was die Lieferengpässe aufgrund von Produktionsproblemen angeht, hat der Pharmakonzern der EU-Kommission noch keine Lösung präsentiert, wie die Verzögerungen beseitigt werden könnten. Es sei an dem Unternehmen, Vorschläge zu machen, wie es die Verpflichtungen aus seinem Liefervertrag erfüllen wolle, sagte ein Kommissionssprecher am Donnerstag in Brüssel. AstraZeneca allerdings beharrt darauf, dass die EU schlicht und ergreifend zu spät und zu wenig bestellt habe. Die Firma will jetzt den Vertrag offenlegen. Allerdings habe sie darauf bestanden, sensible Passagen zu schwärzen, sagte ein EU-Vertreter.

Ratspräsident Michel droht mit Notmaßnahmen
EU-Ratspräsident Charles Michel hatte die Hersteller von Coronavirus-Impfstoffen vor möglichen Konsequenzen gewarnt, sollten Verträge nicht eingehalten oder keine Lösungen gefunden werden, und auch „juristische Mittel“ nicht ausgeschlossen. In einem Brief unter anderem an Bundeskanzler Sebastian Kurz schrieb Michel nun auch, dass etwa ein Rückgriff auf Artikel 122 im EU-Vertrag möglich sei.

Dies würde der EU und den EU-Mitgliedstaaten die legalen Mittel „für dringende Maßnahmen“ geben, so Michel. Die Verzögerungen bei den Impfstoff-Lieferungen bezeichnet er als „ein Grund zu echter Besorgnis“.

Michel antworte dabei auf ein Schreiben, das Kurz und seine Amtskollegen aus Dänemark (Mette Frederiksen), Griechenland (Kyriakos Mitsotakis) und Tschechien (Andrej Babis) vor einem EU-Videogipfel an den EU-Ratspräsidenten geschrieben hatten. Darin forderten sie eine rasche und unbürokratische Zulassung weiterer Impfstoffe durch die EMA. Michel dankte den vier Regierungschefs nunmehr für deren „wertvolle Anregungen“.

Deutschland empfiehlt Impfung nur für 18- bis 64-Jährige
Die EU-Kommission muss einer erfolgten Zulassung danach noch zustimmen, das aber gilt als Formsache. In Großbritannien wird das AstraZeneca-Präparat, das in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entstand, bereits seit Jänner eingesetzt. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission, dass der Impfstoff nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren verwendet wird.

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