21.01.2021 21:58 |

Thiem hat Mitleid

Quarantäne? „Unfassbar unglücklich gelaufen“

Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem und die deutsche Legende Boris Becker haben in „Das Gelbe vom Ball - der Eurosport Tennis-Podcast“ die unterschiedlichen Bedingungen für die Spieler bei den Australian Open kritisiert. Insgesamt 72 Profis und Mitglieder des Betreuerstabes befinden sich derzeit laut Angaben der Veranstalter für 14 Tage in Quarantäne. Sie dürfen ihre Hotelzimmer nicht verlassen. Grund dafür waren Corona-Fälle auf einigen Charterflügen nach Melbourne. "Das ist für die unfassbar unglücklich gelaufen, das tut mir auch sehr leid für diejenigen“, so Thiem.

Nicht betroffene Tennisprofis wie Thiem dürfen dagegen für fünf Stunden am Tag zum Training ihre Hotels verlassen. „Hier in Australien ist es nochmal etwas strenger, was auch verständlich ist. Das Coronavirus ist bei denen fast ausgestorben und sie wollen verhindern, dass es wieder eingeschleppt wird. Es ist sehr streng. Wir können rund zwei Stunden am Tag trainieren und rund vier Stunden raus. Die restliche Zeit verbringt man im Hotel“, schildete Thiem die Bedingungen vor Ort.

Der Weltranglistendritte bemängelte aber auch die Chancengleichheit: „Ganz ehrlich, für die 70 Spieler und Spielerinnen, die in den Fliegern saßen, ist das natürlich ganz bitter. Die werden sicher einen schweren Wettbewerbsnachteil haben, das ist klar. Es sind zwar noch neun Tage bis zum Start der Australian Open, aber im Gegensatz zu den anderen, die normal trainieren können, ist das ein riesen Nachteil. Da braucht man nicht zu diskutieren“, betonte der Niederösterreicher.

„Das ist für die unfassbar unglücklich gelaufen, das tut mir auch sehr leid für diejenigen. Aber es hat natürlich auch jeder gewusst, auf was er sich einlässt. Tennis Australia und das ganze Land haben alles versucht, das Turnier stattfinden zu lassen, und das ist auch eine sensationelle Leistung“, meinte Thiem, der gegen eine mögliche Absage des ersten Grand-Slam-Turniers ist. „Für mich ist es immer noch zumutbar. Es klingt jetzt hart, aber es sind nur 70 Spieler in der Quarantäne, alle anderen in Melbourne können normal trainieren. Es wäre allen anderen gegenüber unfair, die die weite Reise gemacht haben, wenn das Turnier jetzt ausfallen würde.“

Angesprochen auf seine Saisonziele sagte der 27-jährige US-Open-Sieger: „2020 war sportlich gesehen sensationell. Das Gefühl beim Grand-Slam-Sieg war das beste, was ich jemals in meiner Tenniskarriere erlebt habe. Das will ich nochmal schaffen. Paris ist wahrscheinlich das ganz große Ziel. Es ist seit meinem Juniorenfinale wahrscheinlich mein Lieblingsturnier, und ich habe die letzten Jahre dort immer sehr gut gespielt. Es ist zwar ein absolut übermächtiger Gegner (Rafael Nadal, Anm.) da, aber das ist das nächste ganz große Ziel. Neben den anderen großen Turnieren ist es das Event, das die höchste Priorität hat.“

Becker ist überzeugt, dass man chancenlos ist, wenn man zwei Wochen Training verliert. „Wenn sie aus der Quarantäne rauskommen, waren sie nicht einmal an der frischen Luft, haben kein Tennis gespielt. Egal, wieviele Schritte sie im Zimmer gemacht haben, sie haben keinen Ball gespielt und haben dann eine Woche Zeit, sich bei den heißen Bedingungen auf Best-of-Five-Matches, zumindest bei den Männern, vorzubereiten. Diese Aufgabe geht eigentlich nicht“, versicherte der Gewinner von sechs Grand-Slam-Turnieren.

Die ganze Wintervorbereitung sei damit für die Katz, meinte Becker. Der 53-Jährige ergänzte: „Die Frage, ob das faire Bedingungen für alle sind, muss man sich schon stellen. Als Veranstalter muss man sich fragen: Ist das richtig, ist das zumutbar?“

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