13.01.2021 14:12 |

„Kein Freifahrtschein“

Experten: Corona-Schnelltests häufig unzuverlässig

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat am Mittwoch bei einer Sondersitzung im Parlament die „negative Botschaft“ verkündet, dass sich die britische Corona-Mutation B117 in ganz Europa „rasant verbreitet“. Dennoch sollen die Schulen am 25. Jänner mit Einschränkungen und verstärkten Antigen-Tests wieder öffnen. Deutsche Experten schlagen aber Alarm, denn die Corona-Schnelltests seien häufig unzuverlässig beziehungsweise würden negative Ergebnisse Menschen oft dazu veranlassen, es mit der Einhaltung der Maßnahmen nicht mehr so genau zu nehmen.

„Nach unseren Untersuchungen werden nur sechs von zehn SARS-CoV-2-Infektionen erkannt“, sagt Oliver Keppler, Chef-Virologe an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Zudem würden zwei von 100 nicht-infizierten Personen ein falsch-positives Ergebnis erhalten. 

Infektion kann durch Negativ-Test nicht ausgeschlossen werden
Die Antigen-Schnelltests seien zwar dazu in der Lage „hochinfektiöse Menschen mit hohen Viruslasten zu erkennen“, es sei aber „bei Weitem nicht so“, dass eine Infektion durch ein negatives Ergebnis zuverlässig ausgeschlossen werden könne. Anders als die sehr zuverlässigen PCR-Tests weisen Antigen-Tests den Erreger nicht anhand seines Erbguts nach, sondern anhand bestimmter Eiweiße des Virus.

Antigen-Tests erkennen, wie ansteckend eine Person ist
Das Argument, das die Schnelltests nur einen geringen Teil der Infizierten erkennen würden, stimme zwar, schreibt der deutsche Arzt Alex Beisenherz auf Twitter, die Schlussfolgerung, dass sie deshalb unzuverlässig seien, jedoch nicht. Schnelltests seien nämlich nicht dazu da, eine Infektion zu diagnostizieren. „Sie sind dazu da, hohe Viruslasten und damit das Potenzial jemand anderen anzustecken zu erkennen.“ 

Negativer Test „kein Freifahrtschein“
Keppler warnt vor einem falschen Gefühl der Sicherheit: „Ein negativer Antigen-Schnelltest ist kein Freifahrtschein.“ Viele Menschen würden aufgrund ihres negativen Ergebnisses nicht mehr so konsequent auf die Abstände achten oder „die lästige Maske“ tragen. Wenn jedoch die Vorsicht nachlasse, halte er das für „wirklich kritisch“.

Ausbrüche auf falsche Ergebnisse zurückzuführen
Der Mediziner beklagt auch das Werben der Hersteller mit der hohen Qualität ihrer Tests: „Das gleicht einer Fehlinformation.“ Er habe in den letzten Wochen Ausbrüche gesehen, bei denen wahrscheinlich falsche Ergebnisse von Antigen-Schnelltests „eine entscheidende Rolle für den Eintrag des Virus gespielt haben.“

Außerdem mahnt der Experte zur korrekten Durchführung der Tests, die schon bald den Alltag der heimischen Schüler bestimmen werden. Laut Keppler sollten sie von „geschultem Fachpersonal“ durchgeführt werden, denn die Ergebnisse könnten nur dann hilfreich sein, wenn sowohl der Abstrich gut sei und der Test richtig durchgeführt würde.

Martin Grob
Martin Grob
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