11.01.2021 13:00 |

Mädchen fast taub

Die Tiroler Wurzeln in Herz und Ohr

Ramonas Leben beginnt in Innsbruck, doch schon bald übersiedeln ihre Eltern mit ihr nach New Jersey - den Heimatstaat ihrer Mutter. Als klar wird, dass Ramona so gut wie taub ist, beginnt eine schwierige Zeit für die Familie. Der Hoffnungsschimmer kommt dann aus Tirol.

Ramona ist das Kind einer Romanze zwischen zwei Kontinenten. Ihr Vater Mario kommt aus Tirol – aber schon früh zog es ihn in die weite Welt und das wilde Leben hinaus. Er verliebte sich schließlich in die Gitarristin Kelly aus New Jersey, USA.

2011 beschloss die Familie, nach Tirol zu ziehen. „Also bin ich mein ganzes Zeug losgeworden, habe meine Sachen gepackt und bin mit meinem vierjährigen Sohn Felix nach Innsbruck gezogen“, erzählt Ramonas Mutter auf Englisch. Da war Ramona selbst allerdings noch Sternenstaub.

„Ich muss sagen, damals war mein Leben ziemlich gut: Alles was ich zu tun hatte war, meinen Sohn im Kindergarten abzuliefern und ihn dann zu seinen Eishockey-Stunden zu bringen – und natürlich der Deutschkurs bei ,Frauen-aus-allen-Ländern’.“ Kelly erzählt von einer glücklichen Zeit in Tirol, von Ausflügen mit ihrem Felix ins Museum, und vom Spielen und Eis essen im Rapoldipark.

Schicksalhafte Werbung
An eine Sache kann sie sich noch besonders gut erinnern: Als sie mit Felix im Bus Richtung Alpenzoo saß, sah sie ein Werbeschild von Med-Els Hörimplantaten. „Ich wusste nicht, was es ist, nur, dass es sich um beeindruckende Technologie handeln musste und etwas, worauf die Einheimischen stolz sind.“ Die Werbung blieb ihr aus irgendeinem Grund im Gedächtnis hängen. Doch was sie noch nicht wissen konnte, ist die Bedeutung, die Med-El für ihre Familie einmal bekommen würde.

Es brauchte nur ein Corona-Jahr, um Kellys Erzählung wie aus einer längst vergangen Zeit wirken zu lassen: „Es war Weihnachten 2011, in Innsbruck glitzerten überall Lichter, der Krampustag in Igls war super und mit Freunden Glühwein trinken in der Altstadt war natürlich herrlich! Ich hatte nur einen Wunsch auf meinem Weihnachtszettel – und das war eine Tochter.“ Ihr Wunsch wurde wahr: Vor Glück überwältigt, bekam sie ihre Ramona Joan schließlich am 4. September 2012 in der Innsbrucker Klinik. „Wie habe ich es geliebt, wenn mich die Leute im Sillpark angehalten haben, nur um meine kleine Maus zu bewundern!“ „Kleine Maus“ sagt Kelly auf Deutsch. Endlich ist Ramona da!

Innsbruck - New Jersey
Doch Kelly zog es schon bald wieder zu ihrer Familie und ihren Freunden zurück in die USA. „Rückblickend war es die glücklichste Zeit meines Lebens – und manchmal denke ich mir, ich hätte einfach in Innsbruck bleiben sollen.“

Als die „kleine Maus“ zwei Jahre alt war, sagten einige von Kellys Freunden, dass Ramona schon mehr Wörter können sollte. Kelly dachte sich nicht viel dabei. „Mama“ konnte sie perfekt sagen, nur „Daddy“ sagte sie nie – ganz gleich, wie oft sie mit ihr übten. Kellys Mutter drängte Kelly dann, die „Frühkindliche Intervention“ anzurufen, ein Service, bei dem Experten einen Hausbesuch machen, um das Kind hinsichtlich seiner Entwicklung zu beurteilen.

Die Experten vermuteten starke Schwerhörigkeit. Kelly wollte das nicht wahrhaben. Es kann doch nicht sein, dachte sie, ihr Mädchen sei doch gesund. Selbst nach weiteren Tests, als sich herausstellte, dass Ramona wirklich unter starker Schwerhörigkeit litt, leugnete sie noch ihre Diagnose. Sie rannte von Gehörspezialist zu Gehörspezialist und nach dem dritten oder vierten brach sie dann unter Tränen zusammen.

Auf der Suche nach Hilfe
„Als Erstes bekam sie Hörgeräte, aber es war schrecklich, weil sie immer so schnell herauswuchs. Außerdem gab es ständig Rückkoppelungen und Pfeif-Geräusche – es war für uns beide zermürbend. Ich war so niedergeschlagen zu dieser Zeit“, erzählt Kelly. Wie gerne hätte sie ihrer Tochter die Leidenschaft für Musik mitgegeben. „Aber vergessen wir die Musik – was, wenn sie nie sprechen lernen wird?“, schildert Kelly ihre damaligen Sorgen.

Die „kleine Maus“ wurde größer und fing an, in eine Kindergruppe für Taube zu gehen, sie lernte die Gebärdensprache und die Welt schaute schon wieder ein klein wenig fröhlicher aus. Kurz vor ihrem dritten Geburtstag war es dann soweit: Ramona bekam Hörprothesen implantiert. Die Firma kam aus Tirol: Med-El. „Med-El hat anscheinend das größte Klangspektrum“, sagt Kelly, „und schätzungsweise sind die ganzen Werbeschilder in Innsbruck auch nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Das nenne ich Marketing!“

Wunder der Technik
Ramona ging es gut, sie war inzwischen acht. Wer sie kennenlernte, merkte nicht, dass sie einmal schwerhörig war – dank der Implantate. Sie sprach perfekt und ihre Mutter war sichtlich stolz auf ihre fröhliche und freundliche Tochter. „Ich bin Med-El, all den Gehörspezialisten, Experten und den genialen Erfindern von Hörprothesen unendlich dankbar!“ Ramona hat ihre Tiroler Wurzeln jedenfalls nicht nur im Herzen, sondern auch in ihren Ohren.

Nadine Isser, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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