11.01.2021 08:45 |

Kaum Nebenwirkungen

Impfstoff von AstraZeneca offenbar weniger wirksam

Die Schutzrate des von der Universität Oxford und dem Pharmakonzern AstraZeneca entwickelten Corona-Impfstoffes könnte mit höchstens 70 Prozent wesentlich weniger hoch sein als jene von Biontech/Pfizer oder Moderna. Das Präparat zeigte dabei ähnliche Nebenwirkungen wie die der Konkurrenz, die im direkten Vergleich aber etwas häufiger auftraten. Ende Jänner dürfte der Impfstoff wohl die Zulassung von der EU erhalten.

In Großbritannien hat der Impfstoff von AstraZeneca bereits die Marktzulassung erhalten, die auch für die EU als wahrscheinlich gilt. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass er auch bei normaler Kühlschranktemperatur von zwei bis acht Grad Celsius für rund sechs Monate aufbewahrt werden kann, was auch die Verteilung wesentlich vereinfacht.

AstraZeneca setzt im Kampf gegen das Coronavirus auf einen Vektorimpfstoff, der ein Schnupfenvirus von Schimpansen als Transporter nutzt, um die genetische Information für das Spike-Protein von SARS-CoV-2 in die Zellen zu schleusen.

Wichtiger Teil der Impf-Strategie
Während die mRNA-Präparate von Biontech/Pfizer oder Moderna eine Wirksamkeit von jeweils mehr als 90 Prozent aufweisen, kommt jener von AstraZeneca nicht an diesen Wert heran. Dabei ist das Mittel für die EU und Österreich ein wesentlicher Teil in der Impf-Strategie: Rund 400 Millionen Dosen davon sind für die breite Durchimpfung der Bevölkerung bestellt worden.

Rätsel um Wirksamkeit
Die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen das Coronavirus mit Namen ChAdOx1nCoV-19 (oder AZD1222) liegt bei rund 70 Prozent. Verbindliche Angaben sind jedoch schwierig, da ein Teil der Testgruppe versehentlich bei der ersten von zwei Spritzen eine geringere Dosis bekam - die dann aber zu einer Wirksamkeit von 90 Prozent führte, während die reguläre Dosis nur 62 Prozent erreichte. Die britische Behörde schreibt, der Unterschied müsse aber nicht zwangsläufig mit der Dosis zusammenhängen.

Kombination von Viren erfolgversprechend
Als mögliche Ursache vermuten die Experten, dass das Intervall zwischen den Terminen bei der Gruppe mit der geringeren Dosis größer war (drei Monate) als bei jenen mit der vollen Dosis. Eine weitere Vermutung lautet, dass sich die Verwendung des gleichen Virus bei beiden Injektionen nachteilig auswirkt. Für diese Theorie spricht, dass der russische Vektorimpfstoff „Sputnik V“ laut offiziellen Angaben eine Wirksamkeit von 92 Prozent erzielt.

Anders als bei AstraZeneca setzt „Sputnik“ zwei verschiedene Transporterviren ein. AstraZeneca hat bereits angekündigt, in Zusammenarbeit mit dem russischen Gamaleya-Institut nun eine Kombination aus dem eigenen Impfstoff gegen das Coronavirus und „Sputnik V“ testen zu wollen.

Kaum ernsthafte Komplikationen
Auch zu den Nebenwirkungen liefert die Zwischenstudie weitreichendere Ergebnisse. Insgesamt zeigten sich dabei ähnliche Reaktionen wie bei den mRNA-Impfstoffen. 86 Prozent der Teilnehmer berichten von Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle, 53 Prozent von Müdigkeit, 52,6 von Kopfschmerzen, 44,2 von allgemeinem Krankheitsgefühl, 44 von Muskelschmerzen, 33,9 von Fiebrigkeit, 31,9 von Schüttelfrost und 21,9 von Übelkeit.

Beschwerden „mild bis moderat“
Die Beschwerden sollen meist „mild bis moderat“ ausgefallen und wenige Tage nach der Impfung gegen das Coronavirus verschwunden sein. Schwere Reaktionen zeigten etwa 8,3 Prozent der Studienteilnehmer - drei standen dabei möglicherweise im Zusammenhang mit dem Covid-19-Impfstoff: ein Fall einer Transversen Myelitis (Rückenmarksentzündung), ein Fall einer hämolytischen Anämie (Butarmut) und einmal Fieber über 40 Grad.

Ein weiterer Fall der Myelitis dürfte wahrscheinlich mit einer Multiple-Sklerose-Erkrankung im Zusammenhang gestanden sein, eine zusätzliche Myelitis-Erkrankung trat in der Placebo-Gruppe auf.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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