„Kein guter Mensch“

Kinder radikalisiert: Haft für jungen IS-Anhänger

Gericht
04.02.2026 15:55
Porträt von krone.at
Von krone.at

Deradikalisierungsprogramme sollen Extremisten stoppen. Doch im Wiener Landesgericht zeigte sich am Mittwoch: Sie wirken nicht immer. Ein 20-Jähriger stand erneut vor Gericht – obwohl er bereits im Jänner 2025 wegen terroristischer Vereinigung verurteilt worden war. Statt auszusteigen, machte er weiter und wurde dafür verurteilt ...

Der junge Mann verbreitete IS-Propaganda über Snapchat, diskutierte in Telegram-Chats über Anschläge – und suchte gezielt Kontakt zu deutlich jüngeren Burschen. Laut Staatsanwalt habe er Jugendliche für den IS angeworben: „Er hat möglichst junge Menschen in die IS-Ideologie hineingezogen. Gerade die sind dafür empfänglich. Er hat teilweise Kinder mit Sympathie für den IS infiziert.“

15-Jährigen ein Messer besorgt
Zu seinem Umfeld gehörte auch jener 15-Jährige, der ein Attentat am Wiener Westbahnhof plante. Dem Burschen besorgte der Angeklagte ein Messer: „Ich hab‘s ihm einfach gekauft. Er wollte es einfach haben. Zum Glück ist nichts passiert.“

Mit Luftdruckgewehr trainiert
Auch mit einem 18-Jährigen, der Anschläge auf die israelische Botschaft und ein islamisches Zentrum plante, war er eng verbunden. Er kaufte ihm ein Luftdruckgewehr, gemeinsam trainierten sie: „Auf Glasflaschen.“ Zudem schickte er Bombenbau-Anleitungen: „Er hat die haben wollen.“

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Ich wollte nicht, dass die denken, dass ich kein guter Freund bin.

Der Angeklagte (20)

Ein weiterer 15-Jähriger mit Attentatsfantasien bekam ebenfalls ein Messer vom Angeklagten. „Ich bin kein guter Mensch“, sagte der 20-Jährige vor Gericht. Der Richter hielt ihm vor: „Man könnte auf die Idee kommen, dass Sie einer sind, der das Feuer anheizt, den Leuten Waffen besorgt und dann sagt: Ich habe nichts gemacht.“ Der Angeklagte entgegnete: „Ich wollte nicht, dass die denken, dass ich kein guter Freund bin.“

Wollte „angenehme“ Atmosphäre verbreiten
Er habe keine Anschläge geplant: „Ich habe das gemacht, dass ich Leute um mich habe. Ich hatte keine Freunde.“ IS-Propaganda verschickte er, „um eine angenehme Atmosphäre zu verbreiten“.

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Seine Wohnung, sein Schlafzimmer war hergerichtet wie ein IS-Gebiet.

Der Staatsanwalt

Der Staatsanwalt zeichnete ein anderes Bild: „Seine Wohnung, sein Schlafzimmer war hergerichtet wie ein IS-Gebiet.“ Auf die Frage, warum er sich dem IS anschloss, antwortete der Angeklagte: „Vielleicht war es gerade im Trend.“

Der Staatsanwalt forderte eine harte Strafe. Der 20-Jährige sei „mitverantwortlich für ein massives Gefahrenpotenzial, das es hier in Wien gegeben hat“. Das Urteil: Dreieinhalb Jahre unbedingte Haft wegen terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation. Nicht rechtskräftig.

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