29.12.2020 10:23 |

„Ärzte ohne Grenzen“

Coronavirus-Pandemie: Was für arme Länder bleibt

„Ärzte ohne Grenzen“-Einsatzleiter Marcus Bachmann erklärt, warum der Kampf gegen Corona nur global gewonnen werden kann.

Marcus Bachmann weiß, wovon er spricht: Seit 15 Jahren ist der Tiroler für „Ärzte ohne Grenzen“ in Krisengebieten wie Sierra Leone oder dem Südsudan tätig. Corona ist überall eine Belastung für die Bevölkerung und die Gesundheitssysteme - vor allem in armen Ländern. Wie die Corona-Lage da tatsächlich aussieht, ist aufgrund geringer Testkapazitäten teils schwer festzustellen. Beispiel Demokratische Republik Kongo: Ein Land mit 110 Millionen Einwohnern hat „eine Testkapazität, die viel geringer ist als das Burgenland“.

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„Andere Epidemien machen während Corona keine Pause."

Marcus Bachmann, „Ärzte ohne Grenzen“-Einsatzleiter

Generell darf man nicht nur die Sterbefälle durch Corona im Blick behalten: „Andere Epidemien machen während Corona keine Pause: HIV/AIDS, Tuberkulose, Malaria, akute Mangelernährung bei Kindern unter fünf, Schwangeren- und Geburtenkomplikationen - da braucht es medizinische Kapazitäten, um Leben zu retten.“ Doch diese seien gebunden vom Kampf gegen Corona. Nicht nur in den Spitälern, auch in der Herstellung: Schnelltests für Corona würden auf den gleichen Produktionslinien hergestellt wie jene für Malaria.

„Müssen Corona möglichst rasch besiegen“
„Wir hatten größte Mühe, Hersteller zu überzeugen, zumindest eine bestimmte Menge an Malaria-Schnelltests weiterzuproduzieren“, so Bachmann: „Wir müssen also möglichst rasch Corona besiegen, um uns wieder auf die Haupterkrankungen und -probleme in Ländern wie Afrika konzentrieren zu können.“

Auf Impfungen kann man in armen Ländern kaum setzen: „Das reichste Siebentel der Weltbevölkerung, dazu gehört auch Österreich, hat sich mehr als die Hälfte der Impfstoffe gesichert, die 2021 produziert werden können. Da bleibt wenig bis nichts für Menschen in Krisen- und Notsituationen.“ In der Demokratischen Republik Kongo etwa hätten nach jetzigem Stand bis Ende 2021 nur vier Prozent der Risikogruppen und des medizinischen Personals eine Impfung. Die Hoffnung auf grenzüberschreitende Solidarität also bleibt.

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Silvia Schober, Kronen Zeitung

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