03.12.2020 09:15 |

Corona in Kärnten

Prettner-Interview: „Zweite Welle unterschätzt!“

Gesundheits- und Sozialreferentin Beate Prettner über die Lage in den Heimen und Spitälern // Der Abwehrkampf und das Versagen der Gesellschaft // Appell an die Bürger

Seitenweise Todesanzeigen in den Medien, Vergleichbares gab es nie, es ist erschütternd. Haben wir alle, Sie, ich, unsere Gesellschaft beim Schutz unserer Alten versagt?
Wir wissen seit Beginn der Pandemie, dass ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen sehr gefährdet sind. Wir haben einen Abwehrkampf geführt, uns aber vielleicht in manchen Momenten zu sicher gefühlt. Aber wir kämpfen weiter.

Kommen Sie angesichts der vielen Todesfälle - jeder zweite Coronatote in Kärnten kommt aus einem Pflegeheim - nicht auch ins Grübeln, was Sie vielleicht besser machen hätten können?
Wir machen uns sehr viele Gedanken, es gab Schulungen, Kontrollen, wir waren vorbereitet. Was wir aber alle unterschätzt haben, ist die Wucht dieser zweiten Welle. In ganz Europa war das so. Es ging von null auf 100 binnen weniger Tage.

Aber es lief ja nicht alles völlig problemlos...
Das stimmt auch, es kamen Pannen mit Laboren und der Übermittlung der Daten hinzu.

Wurde, als die Infektionen in den Heimen so rasch anstiegen, zu langsam reagiert?
Nein, wir haben alles Menschenmögliche getan. Seit 10. November haben wir auch das Besuchsverbot. Wenn aber das Virus einmal im Heim ist, wird die Lage sehr schwer kontrollierbar. Man darf ja nicht vergessen, wir haben auch die Antigentests, die ab Montag täglich bei den Mitarbeitern durchgeführt werden, erst seit weniger als drei Wochen. Zuvor mussten wir tagelang auf die Befunde der PCR-Tests warten.

Noch einmal zurück zur Eingangsfrage: Haben wir allesamt Mist gebaut?
Ich würde es nicht so krass ausdrücken. Aber natürlich: Manche Gesunde denken vielleicht nicht so sehr an all die Heime und die vielen Krankenanstalten.

Stichwort Spitäler, das ist ja die nächste ganz offensichtliche Problemzone...
Ich appelliere wirklich an die Bevölkerung, die Krankenanstalten sind unser Nadelöhr! Die sind am Anschlag. Wer jetzt unvorsichtig ist, tut Ärzten und Pflegern nichts Gutes. Und sich selbst natürlich auch nicht.

Sie sind ja selbst Ärztin, wie schätzen Sie jetzt nach neun Monaten Pandemie die Erkrankung ein?
Ich kenne keine Erkrankung, die so infektiös ist. Das Virus liegt buchstäblich in der Luft. Und zwar überall.

Fritz Kimeswenger
Fritz Kimeswenger
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