Als Schadenersatz

Frankreichs Skandal-Teamchef will 2,9 Mio. Euro

Fußball
03.11.2010 13:13
Der Skandal-Coach schlägt zurück: Frankreichs Ex-Nationaltrainer Raymond Domenech hat seinen früheren Arbeitgeber, den Französischen Fußball-Verband FFF, vor einem Arbeitsgericht auf Zahlung von 2,9 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Der FFF und auch Domenechs Anwalt bestätigten am Mittwoch in Paris entsprechende Medienberichte.

Nach dem skandalösen Auftritt der "Bleus" bei der WM in Südafrika war Domenech - von Medien und Fans "verrückter Professor" genannt - zunächst nach Vertragsende von Laurent Blanc als Nationalcoach abgelöst worden. Anfang September wurde der 58-Jährige dann auch noch seinen Posten als Trainerausbilder des Verbandes los. Der "Direction Technique Nationale" des FFF gehörte er seit 1993 an.

Zur fristlosen Kündigung führte nach Angaben des FFF "grobes Fehlverhalten" in drei Hauptpunkten: Domenech wurde vorgeworfen, er habe die Funktionäre nicht informiert, nachdem er bei der WM von Stürmer Nicolas Anelka beschimpft worden sei. 

Kritisiert wurde auch das Verhalten des Trainers beim Trainingsstreik, mit dem das Team um Franck Ribery gegen den darauffolgenden Ausschluss Anelkas protestierte. Außerdem nahm man Domenechs übel, dass er seinem Gegenüber Carlos Alberto Parreira nach der 1:2-Niederlage gegen Südafrika nicht die Hand schüttelte.

Anwalt: "Verletzung des Arbeitsrechts"
Domenechs Anwalt Jean-Yves Connesson erklärte unterdessen in der Sporttageszeitung "L'Equipe", man müsse arbeitsrechtlich zwischen dem Job als Nationaltrainer und der Arbeit als Trainerausbilder unterscheiden. "Die vom Verband kritisierten Punkte betreffen nur die Funktion als Nationaltrainer", sagte er. Die fristlose Kündigung Domenechs sei "schikanös, brutal und verspätet" und verletze das Arbeitsrecht, so Connesson.

Blamage bei WM abseits des Feldes
Domenech bezog als Trainerausbilder 12.000 Euro monatlich. Als Nationaltrainer hatte er 45.000 Euro verdient. Der Weltmeister von 1998 war in Südafrika nach der Vorrunde sieglos ausgeschieden - aber die "Equipe Tricolore" blamierte sich vor allem abseits des Platzes.

Domenech war von Anelka in der Halbzeit des Vorrundenspiels gegen Mexiko (0:2) wüst beschimpft worden. Als der Verband den Chelsea-Profi deshalb vorzeitig nach Hause schickte und die Spieler am 20. Juni mit einem Trainingsboykott gegen die Entscheidung des Verbandes protestierten, ließ sich Domenech im WM-Lager in Knysna sogar dazu überreden, den Protestbrief der Profis den Journalisten vorzulesen.

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