26.11.2020 21:24 |

Umfrage zum Lernen

Schlechtere Leistungen quer durch alle Schulfächer

Die Corona-Krise hat auch Österreichs Bildungssystem mit voller Wucht getroffen, der Schul- und Lernalltag junger Menschen geriet seit dem ersten Lockdown im Frühjahr massiv ins Wanken. Wie dramatisch die Folgen der Krise für Schüler teils sind, macht eine aktuelle Umfrage des landesweit größten Lernhilfe-Instituts LernQuadrat unter Nachhilfelehrern jetzt deutlich. Fazit: Eine Verschlechterung der Leistungen ist quer durch alle Fächer und Schultypen festzustellen.

Insgesamt 381 Nachhilfelehrer, also jene Lehrer, die ganz eng mit der Situation der Schüler konfrontiert sind, wurden von Lernquadrat im September und Oktober schriftlich zum Lernen in Corona-Zeiten befragt. Das renommierte Nachhilfeinstitut mit landesweit 80 Standorten verteilt auf alle Bundesländer hat in der Corona-Zeit auf Online-Lernen umgestellt - ein Service, das auch seit dem ersten Lockdown im Frühjahr verstärkt in Anspruch genommen wird.

Die Umfrage-Ergebnisse liefern einen guten Einblick in die aktuelle Lernsituation der österreichischen Schüler und bringt die seit Mitte März entstandenen Probleme auf den Punkt. Etwa, dass sich das Leistungsniveau von fast 60 Prozent der Schüler seit Beginn der Corona-Krise teils massiv oder zumindest teilweise verschlechtert hat. Eine Verschlechterung sei hier quer durch alle Fächer und Schultypen feststellbar, hieß es bei der Präsentation der Umfrage am Donnerstag.

Lernmotivation bei Mehrheit der Schüler deutlich gesunken
Angesichts Corona-bedingt reduziertem Leistungsdruck und entfallener Prüfungen zeigt sich, dass bei nahezu 60 Prozent der Schüler den Nachhilfelehrern zufolge die Lernmotivation gesunken ist. Bei fast 30 Prozent der Schüler herrsche gar „allgemeine Ratlosigkeit“. Lediglich 9,4 Prozent würden sich hingegen in der geänderten Corona-Situation freier fühlen und besser entfalten können.

EDV-Ausstattung am dringendsten benötigt
Was Schulen demnach am dringendsten bräuchten, sei 55,6 Prozent der Befragten zufolge EDV-Ausstattung für die Schüler. Die Regierung hat hier im Zuge ihrer Digitalisierungsoffensive wie berichtet Endgeräte für Schüler in Aussicht gestellt, jedoch wird dieses Vorhaben erst im kommenden Schuljahr 2020/21 zu greifen beginnen - und somit wohl zu spät, um die aktuell negativen Effekte des Lernens in der Corona-Zeit abfedern zu können.

An zweiter Stelle folgt hier übrigens die Forderung nach kleineren Klassengrößen. Bereits im Juni nach dem ersten Lockdown hatten 81,6 Prozent der Lehrer bei einer Lernquadrat-Befragung erklärt, der Kleingruppenunterricht habe besser funktioniert als der „normale“ Unterricht.

Überforderung bei Englisch, Desinteresse an Mathematik
Eine Überforderung sei bei den Schülern am häufigsten in Englisch bemerkbar, Desinteresse vor allem in Mathematik. Gefragt, welche Faktoren am meisten beim Lernen stören würden, gaben fast 60 Prozent soziale Medien an, knapp gefolgt vom Desinteresse am Lernstoff.

Die Oppositionsparteien hatten erst am Donnerstag die Regierung dafür kritisiert, die Auswirkungen etwa von Schulschließungen auf junge Menschen, zu wenig oder gar nicht im Fokus zu haben. Demnach habe die Regierung schon im Sommer verabsäumt, die Wirkung des ersten Lockdowns zu analysieren, obwohl Institute schon im Frühjahr die Finanzierung von „Covid-Begleitforschung“ gefordert hätten. SPÖ, FPÖ und NEOS fordern daher „einige wenige Millionen“ für diese Forschung.

Harald Dragan
Harald Dragan
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