16.11.2020 07:00 |

Große Probleme

Obdachlos in der Krise: Armut wird noch sichtbarer

Zuhause bleiben, wenn sie kein Zuhause haben. Abstand halten, wenn der Platz knapp und die Temperaturen frostig sind. Obdachlosigkeit stellt die Stadt in der Pandemie jetzt vor große Herausforderungen. Obwohl die kalte Jahreszeit gerade beginnt, gibt es immer noch kein Winterquartier. Corona bringt neue Risiken.

Matratzen und Decken liegen am Boden. Habseligkeiten sind notdürftig mit Folien abgedeckt. Dazwischen parken Kinderwägen. Der Wind pfeift am Kai entlang. Ein zutiefst trostloses und menschenunwürdiges Bild. Mitten in Salzburg. Das prägt sich ein

Unter der Eisenbahnbrücke nahe der S-Bahn-Haltestelle Mülln haben Notreisende ein Lager aufgeschlagen. Weitere Notquartiere unter freiem Himmel rund um den Bahnhof oder bei der Autobahnbrücke in Salzburg-Nord kommen dazu. Seit Jahren polarisiert das Bettler-Problem aus dem Osten in Salzburg schon. Bandenmäßig organisiert sei ein Großteil, so die Kritik. Es kam zu einem Bettel-Verbot im Zentrum. Doch die Menschen aus dem Osten suchten sich andere Plätze.

Corona bringt jetzt neue, große Herausforderungen: Beim ersten Lockdown verschwanden die Bettler aus dem Stadtbild. Doch die Grenzen blieben durchlässig. Viele sind jetzt zurück. Rund 80 Notreisende sollen sich aktuell in der Stadt aufhalten. Ein festes Quartier gibt es für sie in Salzburg schon seit dem Frühjahr nicht mehr. „Wir mussten die Kapazität im Haus Franziskus in Schallmoos auf die Hälfte herunterfahren“, informiert Caritas-Direktor Johannes Dines.

Corona-Infektionsrisiko stellt das Caritas-Team

Der Bereich für Notreisende wurde in der wärmeren Jahreszeit komplett geschlossen. Rund 40 inländische Obdachlose haben hier nach wie vor ein Dach über dem Kopf. Weil aber in der Notunterkunft nun strenge Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden, kann man nicht mehr so eng zusammenrücken. Im Haus Elisabeth sind weitere 13 Plätze für Frauen geöffnet.

Das Corona-Infektionsrisiko stellt das Caritas-Team vor große Herausforderungen: Im Virgilbus wurden Bettler auch bereits getestet. Viele von ihnen sind vorerkrankt und damit Risikopatienten. Sollten Infektionen ausbrechen, gibt es Notfallpläne.

Caritas und Land suchen aktuell fieberhaft nach einem zusätzlichen festen Notquartier für den Winter: Es soll nicht nur eine Schlafstelle sein, die Einrichtung soll 24 Stunden offen sein. Ansonsten können Bettler, die sich oft auch an viel besuchten Plätzen wie Bus-Haltestellen aufhalten, schnell einmal zum Infektionsrisiko werden. Torsten Bichler von der Wohnungslosenhilfe der Caritas: „Es sind wichtige Fragen zu lösen. Wie gehen wir mit Kontaktpersonen um? Die Einrichtung braucht auch ein Quarantänezimmer.“

Sabine Salzmann
Sabine Salzmann
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