08.11.2020 06:01 |

Welt brach zusammen

Witwe von Terroropfer: „Leid wird nie vergehen“

Bei dem Terroranschlag am Montag in Wien wurde auch der Besitzer eines China-Lokals erschossen. Erstmals spricht nun seine verzweifelte Witwe. In der „Krone“.

Die Frau, die jetzt an einem Tisch in einem chinesischen Restaurant von guten Freunden in Wien-Donaustadt sitzt, wirkt zerbrechlich, geschockt, unendlich traurig. Und unaufhörlich laufen Tränen aus ihren Augen, wenn sie über dieses unvorstellbare Drama, über ihre Lebenstragödie, spricht. Über den grauenhaften Tod ihres Mannes.

Qiang Li wurde am vergangenen Montag bei dem Terroranschlag in der Innenstadt ermordet, in seinem Lokal am Rabensteig. Der 40-Jährige hatte davor Schusssalven gehört und in der Folge die Eingangstüre versperren wollen. „Dabei ist es geschehen, der Attentäter feuerte auf ihn.“

Alle Spitäler abgesucht
Seine Ehefrau Ping Xia und die beiden gemeinsamen Töchter - sie sind 20 und 21 - waren zu diesem Zeitpunkt daheim: „Eine Kellnerin rief uns an, sie sagte, Qiang sei bei dem Attentat verletzt und in ein Spital gebracht worden.“

Völlig in Panik versuchte seine kleine Familie, von der Polizei und der Rettung zu erfahren, in welche Klinik der Mann gebracht worden war. „Doch niemand wusste das. Also begannen wir in Eigenregie, alle Krankenhäuser in Wien abzufahren.“

Qiang Li war in keinem - er war längst tot.

„Wie soll nun alles weitergehen?“
Um 8 Uhr morgens überbrachten Polizeibeamte der 44-Jährigen schließlich die entsetzliche Nachricht. „In diesem Moment ist meine Welt für immer zusammengebrochen“, schluchzt sie. Und sie fragt verzweifelt: „Wie soll nun alles weitergehen, ohne Qiang?“

Bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten waren sie und ihr Mann aus ihrer Heimatstadt Qingtian in China nach Österreich ausgewandert, das Paar arbeitete hier dann fleißig in verschiedenen Restaurants von Landsleuten, im Service und auch in der Küche.

2005 machte sich Qiang Li dann selbstständig. Seit 2019 betrieb er das Lokal am Rabensteig. „Ich half meinem Mann manchmal aus, hauptsächlich kümmerte ich mich aber um unsere Kinder.“ Die zwei Mädchen, „waren immer unser großer Stolz, sie studieren mittlerweile an der Uni.“

„Ich hasse ihn“
Die Gefühle der Frau gegenüber dem Mörder ihres Mannes: „Ich hasse ihn. Für dieses schreckliche Leid, das er meiner Familie und mir - uns so vielen anderen Menschen auch noch - angetan hat.“

Zitat Icon

Auch wir werden die Familie des Verstorbenen unterstützen. Damit der Betrieb, den Herr Li mit so viel Mühe aufgebaut hat, weiterhin bestehen kann.

Peter Dobcak, Fachgruppenobmann Gastronomie

Der „Wirtschaftsverein der Kaufleute aus der Provinz Zhejiang in Österreich“ will nun die Witwe seelisch und finanziell unterstützen, ein Spendenkonto wurde eingerichtet.

Volksbank Wien
AT67 4300 0401 0000 8008
Verwendungszweck: Spende Familie Li

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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