03.11.2020 19:00 |

Oberländer Wein

Heuriger wird wohl wieder ein „Großer“

Die Winzer im Tiroler Oberland brauchen sich mit ihrem „Lebenselixier“ nicht mehr verstecken, im Gegenteil: Sie sind mittlerweile top ausgebildet und produzieren Qualität, die auch mit Auszeichnungen nach internationalen Verkostungen bestätigt wird. Nach einem „super Weinjahr“ geht die Medaillenjagd weiter. 

Während das bekannte Virus immer mehr außer Kontrolle gerät, arbeiten zurzeit andere Mikroorganismen unter strenger Kontrolle: die Hefebakterien in den Stahltanks der Oberländer Winzer. Die haben nämlich vor einigen Tagen ihre letzte Weinlese eingefahren und tüfteln bereits am 2021er-Roten oder Weißen. Und wer immer noch die peinliche Frage stellt: „Was, in Tirol wird Wein angebaut?“, gehört definitiv zu den Ewiggestrigen. Der Tiroler Rebsaft wird hauptsächlich im Oberland produziert. Zugegeben: Die Rebfläche von 15 Hektar ist im Vergleich zu den großen Weinanbaugebieten null und nichtig, jedoch ist mittlerweile das Tiroler Resultat nach der Lese in den bekanntesten Weinführern nachzulesen.

Höchste Töne für den „höchsten Veltliner“
Eines der mutigsten Experimente startete Claus Aniballi. Der Prutzer mit Italienischen Weingenen im Blut pflanzte mit seiner Hannelore 2011 auf 900 Metern Seehöhe im Weingut „Terra Austriacus“, dem höchstgelegenen Weingut Österreichs, erstmalig Grünen Veltliner. So mancher fuhr damals mit dem Zeigefinger in Richtung Stirn. Doch der Prutzer Winzer fuhr vorletzte Woche zum siebten Mal seine Lese ein. Die brachte ihm bereits 2015 sensationell die offizielle Bezeichnung „Qualitätswein“ ein. Sein „Tiroler Walzer“ mit dem Tiroler Adler drauf schaffte es mittlerweile in die berühmten Weinguides „Gault Millau“ und „Falstaff“. Zwischen 1000 und 1500 Flaschen werfen seine 3500 Rebstöcke (auch Chardonnay, St. Laurent und Gelber Muskateller) ab. „Die Qualität ist heuer sehr gut, die Menge eher bescheiden“, so das aktuelle Resümee des Hobbywinzers, der zu den zehn Tiroler Betrieben zählt, die ihren Wein auch verkaufen.

Ein exquisiter Pinot Noir ist wieder angerichtet
Apropos: In 13 Gastbetrieben – unter anderem auch in Wien – sind die Weine von Peter Zoller und Elisabeth Saumwald zu verkosten. Sie betreiben „mit Herzblut“ drei Lagen (1,7 Hektar, 7000 Rebstöcke) in Haiming am Fuße des Tschirgants, der die Wärme untertags speichert und sie nachts wieder abgibt. „19,5 Klosterneuburger Zuckergrade, das ist perfekt“, so das Urteil beim Blick durch das Refraktometer beim „Krone“-Besuch auf der „Kirchenriese“ bei der Pinot-Noir-Lese, „ein gutes Weinjahr“. Die Liebe der beiden Absolventen der Ruster Weinakademie zum Wein und zur Arbeit in der Natur brachte unglaubliche Früchte hervor: Ihr Chardonnay erreichte in den Jahren 2019 und 2020 die Silbermedaille bei der Austrian Wine Challenge (AWC) in Wien. Peter Zoller ist im Übrigen auch der Obmann des 2011 gegründeten Tiroler Weinbauverbandes und freut sich auf das Zehn-Jahr-Jubiläum im nächsten Jahr.

16.000 neue Rebstöcke für Vollerwerbswinzer
Die AWC-Euphorie hat vor gut einem Jahr auch Alexandra und Georg Flür erfasst: Silbermedaille für ihren Chardonnay und „Edelweiß“ Jahrgang 2019. Das Tarrenzer Ehepaar spricht von einer „unglaublichen Motivation auf ihrem Weg“ – der ist nämlich für viele völlig verrückt, denn sie sind seit dem letzten Jahr die ersten und einzigen Tiroler Winzer im Vollerwerb. Das geht natürlich nur, wenn man Qualität bietet und die scheint auch im heurigen Jahr gegeben: „Noch nie so wenige faule Trauben“, ruft die Winzerin von den hinteren Reihen auf der atemberaubenden Südlage „Apazhof“.

Nachdem im letzten Jahr 1,5 Hektar an Anbaufläche in Ranggen dazukamen, pflanzten die „Verrückten“ heuer 16.000 neue Stöcke der Rebsorte Solaris auf der 3,5 Hektar großen „Lago di Schago“. „Mit sechs Hektar werden wir nun wohl ernstgenommen“, bemerkt Alexandra Flür nicht ganz ernst. Mit dem „super Weinjahr 2020 in Menge und Qualität“ ist ihr aber ernst. Winzer Georg tüftelt gerade am angeblichen Lebenselixier, bestehend aus acht Traubensorten. Rund 10.000 Flaschen werden nächstes Jahr abgefüllt, aber „wenn die heuer Gesetzten voll tragen, hoffen wir auf rund 40.000 Flaschen Jahresproduktion“, so die Winzerin. Der Siegeszug des Tiroler Weines ist nicht mehr aufzuhalten, die top-ausgebildeten Winzer haben die Reifeprüfung längst bestanden!

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