15.10.2020 20:22 |

KV-Verhandlungen

Handelslohnrunde im Zeichen von Shopping-Frust

Einen Pulli anprobieren mit Mund-Nasen-Schutz, Einkaufswagen desinfizieren, Abstand halten: 58 Prozent der Österreicher finden, dass Shoppen jetzt unangenehmer ist als vor der Pandemie, viele kaufen im Internet. Die Branchen sind unterschiedlich betroffen: Denn während etwa im Modehandel die Umsätze um knapp 36 Prozent zurückgingen und viele Betriebe um ihre Existenz kämpfen, gibt es Gewinner wie den Lebensmittelhandel (plus 8,8 Prozent).

Auf das will die Gewerkschaft in der ersten Lohnrunde für 420.000 Handelsangestellte nächste Woche eingehen: Die Inflation sollen alle abgegolten bekommen, Corona-Prämien nur Mitarbeiter von Unternehmen erhalten, die „gut verdient haben“. Zudem sollen die Angestellten zeitlich entlastet werden: von einer bezahlten Maskenpause bis zur Arbeitszeitverkürzung reichen die Ideen der Arbeitnehmer.

Mit konkreten Forderungen geben sich vor der ersten Verhandlung am kommenden Mittwoch, 21. Oktober, aber sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite zurückhaltend: „Wir warten für die Höhe der Verhandlungsinflation noch auf die September-Zahlen“, sagt Gewerkschafterin Anita Palkovich. Klar ist: Das Gehaltsniveau müsse real für alle steigen. Bei der Prämie kann Palkovich sich Verhandlungen auf betrieblicher Ebene vorstellen. Die großen Lebensmittelketten Spar, Hofer oder Rewe hatten bereits im April Corona-Boni an ihre Mitarbeiter ausbezahlt. Man könne, so Palkovich, über eine Anrechnung reden - „aber nur, wenn die Höhe stimmt.“

„Fairer“ Abschluss für beide Seiten
Ihr Gegenpart, Handelsobmann Rainer Trefelik, hält den Wunsch nach betrieblichen Lösungen „verständlich“, fürchtet aber die „technischen Fragen“: „Woran wird bemessen, ob ein Betrieb an Corona ‘gut verdient‘ hat?“ Sollte man sich auf diese Details einigen und die bereits bezahlten Prämien angerechnet werden, zeigt Trefelik sich in diesem Punkt verhandlungsbereit. Weiter vorgreifen wollen aber weder er noch Palkovich. Ein „fairer“ Abschluss für beide Seiten in „herausfordernden Zeiten“ solle es werden, so beide Seiten.

Störende Schutzmaßnahmen
In einer Gallup-Umfrage unter 1000 Österreichern geben indes zwei Drittel an, dass sie die Schutzmaßnahmen beim Einkaufen stören, vier von zehn fühlen sich in den Geschäften gestresster. Ein Viertel wanderte vom stationären Handel ins Internet. Dort fehle aber vor allem den Jungen das „echte Shoppingerlebnis“. Positiv für die Händler: Drei Viertel der Kunden wollen öfter zu regionalen Produkten greifen, 70 Prozent vermehrt bei österreichischen Firmen kaufen.

Teresa Spari, Kronen Zeitung

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