05.10.2020 14:28 |

Falsche Strategie?

Experten hinterfragen Corona-Tests ohne Anlass

Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie hieß die Devise bislang „testen, testen, testen“. Doch inzwischen gibt es immer mehr Stimmen, die für ein Aus der bisherigen Teststrategie plädieren. Erst vor einer Woche sprach sich etwa der Innsbrucker Infektiologe Günter Weiss für mehr Normalität und weniger Tests aus. Am Montag sprach sich auch die Österreichische Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (ÖGIT) gegen „ungezielte Massentestungen“ und für Screenings für Risikogruppen aus.

Das Testen ohne Anlass führe zu einem falschen Sicherheitsgefühl, so die ÖGIT. Denn auch ein negativer PCR-Nachweis ist nur eine Momentaufnahme, schließt eine Covid-Infektion nicht aus und entbindet nicht von Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Präventives Testen ohne begründeten Verdacht belaste die vorhandenen Testkapazitäten und verzögere damit die Identifizierung von wirklich erkrankten Personen, betonten die Experten. Personen, die an Covid-19 erkrankt waren, sollen in den nächsten Monaten danach nicht mehr mit PCR-Tests auf den Erreger SARS-CoV-2 getestet werden, so ihre Empfehlung.

„Screenen im Tourismusbereich kein geeignetes Mittel“
„Das unsystematische, unreflektierte, großflächige Testen sowie das Screenen im Tourismusbereich oder anderen Bereichen des Gesellschaftslebens (hauptsächlich gesunde und symptomlose Personen) ist kein geeignetes Mittel, um eine präzise Information zur epidemiologischen Situation zu erhalten bzw. um die Pandemie einzudämmen“, betonen die ÖGIT-Mediziner. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner wiederum hatte zuletzt Schnelltests unter anderem auch als Massentests an bestimmten Orten mit vielen Menschen gefordert. Die ausgebildete Ärztin ist davon überzeugt, dass man mit vielen Tests das Coronavirus weitestgehend eindämmen kann.

Infektiologe: Tests nur bei Verdachtsdiagnose
Ähnlich wie das ÖGIT hatte sich vor einer Woche bereits Weiss, der dem Beraterstab der Corona-Taskforce im Gesundheitsministerium angehört, geäußert. Die Devise „Testen, testen, testen“ halte er nicht für zielführend, so der Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin. „Das ist vielleicht fehlinterpretiert worden. Es sollte nicht so sein, dass man die Bevölkerung quer durchtestet oder Gesunde, die nie Kontakt zu einem Infizierten hatten, testet. Die Testung sollte auf einer Verdachtsdiagnose beruhen.“ Zusätzlich sollten noch „Hochrisikokontakte“ und gefährdete Menschen in Altersheimen oder auch Krankenhäusern getestet werden.

Überträger sind meist Personen mit Symptomen
So sehen das auch die ÖGIT-Experten: Überträger von SARS-CoV-2 seien im wesentlichen Personen, „die bereits Covid-19-Symptome zeigen oder kurz davor sind, symptomatisch zu werden“. Deshalb sei es für die Abschwächung der Pandemie wichtig, Menschen mit Symptomen zu testen und diese rasch - innerhalb von Stunden - abzuklären und zu isolieren. Statt „ungezielter Massentestungen“ sollten Screenings auf Risikogruppen beschränkt werden, so ihre Empfehlung. Und sie weisen auf die Bedeutung der Einhaltung der Hygienemaßnahmen hin - die sogenannte AHA-Regel bestehend aus Abstandhalten, Händehygiene und das Tragen von Allgemeinmasken (also des Mund-Nasen-Schutzes).

SPÖ-Chefin fordert Schnelltest-Strategie
Weiter auf massives Testen setzt hingegen Rendi-Wagner, fordert aber schnellere Ergebnisse. „Die Regierung muss jetzt schneller beim Testen werden, dazu braucht es eine zentrale Schnelltest-Strategie für ganz Österreich. Der Gesundheitsminister muss die Schnelltests, die am Markt sind, evaluieren“, forderte sie am Montag im sogenannten Roten Foyer. Die Regierung müsse alles tun, um einen weiteren Anstieg der Neuinfektionen und vor allem einen zweiten Lockdown zu verhindern, so die SPÖ-Chefin.

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