03.10.2020 14:36 |

30. Jahrestag

Tag der Deutschen Einheit - mit Maske und Abstand

Mit reichlich Abstand und Maske hat Deutschland am Samstag den 30. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte zum Auftakt der zentralen Feierlichkeiten in Potsdam, bei der wegen der Pandemie nur 130 Gäste geladen waren, den Zusammenhalt der Deutschen: „Unser Land zeigt in diesen Corona-Zeiten, dass wir zusammenstehen, dass wir stark sind und verantwortungsvoll handeln“, so Steinmeier.

„Ja, wir leben heute in dem besten Deutschland, das es jemals gegeben hat“, sagte Präsident Steinmeier und dankte allen, die daran mitwirkten. Der Tag der Einheit sei ein Moment der Freude, Erinnerung und Ermutigung. Deutschland habe einen Weg zu einem wiedervereinten, freiheitlichen und demokratischen Land in der Mitte Europas zurückgelegt. „Keine Pandemie kann uns daran hindern, darauf stolz zu sein.“ Steinmeier regte eine Gedenkstätte für die Friedliche Revolution in der DDR an. Diese sollte daran erinnern, dass die Ostdeutschen ihr Schicksal in die eigenen Hände nahmen und sich selbst befreiten. Deutschland sei noch längst nicht so weit, wie es sein sollte. „Aber zugleich sind wir viel weiter, als wir denken.“

Der Umbruch habe die Ostdeutschen ungleich härter als Westdeutsche getroffen. Es sei unterschätzt worden, wie langlebig Benachteiligungen sein könnten. „Wenn Menschen sich dauerhaft zurückgesetzt fühlen, wenn ihre Sichtweise nicht vorkommt in der politischen Debatte, wenn sie den Glauben an die eigene Gestaltungsmacht verlieren, dann darf uns das eben nicht kaltlassen“, mahnte Steinmeier. „Dann bröckelt der Zusammenhalt, dann steigt das Misstrauen in Politik, dann wächst Nährboden für Populismus und extremistische Parteien.“

Einheit „im Großen und Ganzen“ gelungen
Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte indes an den Mut der Menschen. „Wir wissen, wir müssen heute wieder mutig sein“, so die Kanzlerin. „Mutig, neue Wege zu gehen angesichts einer Pandemie, mutig, die noch bestehenden Unterschiede zwischen Ost und West auch wirklich zu überwinden, aber auch mutig, den Zusammenhalt unserer ganzen Gesellschaft immer wieder einzufordern und dafür zu arbeiten.“ Es seien mutige Menschen in der DDR gewesen seien, die die friedliche Revolution 1989 in Gang gesetzt hätten. Mut hätten aber auch Westdeutsche gehabt, sich auf den Weg der Einheit einzulassen. Deutschlands Partner seien mutig gewesen, Deutschland zu vertrauen.

Die Kanzlerin bezeichnete es als eine Freude, das Jubiläum in Frieden und Freiheit zu begehen. Die Einheit sei im „im Großen und Ganzen“ gelungen. Steinmeier und Merkel hatten zuvor zum Auftakt der Feierlichkeiten in der brandenburgischen Landeshauptstadt an einem ökumenischen Gottesdienst teilgenommen. Auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und der Präsident des deutschen Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, waren gekommen. Unter dem Motto „Wir miteinander“ war Brandenburg Gastgeber, weil das Land derzeit den Vorsitz des Bundesrats innehat.

„Vom Osten kann man viel lernen“
Ministerpräsident Dietmar Woidke rief beim Festakt dazu auf, Ostdeutschland auch als Vorbild zu sehen. „Vom Osten kann man viel lernen“, so der SPD-Politiker. „Eine selbstbewusste Frauenpolitik, Betriebskindergärten oder Polikliniken als Gesundheitszentren sind nur einige wenige Beispiele.“ Für eine neue gesamtdeutsche Generation sei das normaler Lebensstandard. „Wir älteren Ostdeutschen sind mittlerweile souverän genug, einfach stolz darauf zu sein.“

Historisches Glück
Bundesverfassungsgerichtspräsident Harbarth erinnerte an die Errungenschaften. Das wiedervereinigte Deutschland sei bei allen aktuellen Herausforderungen in einer guten Verfassung. „Keine Generation vor uns hat über eine so lange Zeit in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben dürfen, wie es uns heute vergönnt ist. Man muss nur auf die Lebenswege unserer Eltern und Großeltern blicken, um sich dies bewusst zu machen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Die friedliche Wiedervereinigung sei ein historisches Glück gewesen und „ein starker Impuls für das weitere Zusammenwachsen Europas“. Harbarth sagte: „Heute leben wir Deutschen von Freunden umgeben im Herzen eines in Frieden vereinten Europa. Dafür können wir sehr dankbar sein.“

Ossis zufriedener als früher, Wessis unzufriedener
Trotz Konflikten und Problemen hat sich einer neuen Umfrage zufolge die Zufriedenheit der Deutschen teils deutlich erhöht. Mit Blick auf das Einkommen sind die Bürger vor allem in Ostdeutschland glücklicher als noch vor 30 Jahren, in Westdeutschland etwas weniger. Das geht aus der Auswertung repräsentativer Umfragen von 1991 und 2020 hervor, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft vorgenommen hat. In Ostdeutschland äußerte sich demnach damals lediglich jeder Fünfte zufrieden oder sehr zufrieden mit seiner finanziellen Situation - heuer nahezu jeder Zweite. In Westdeutschland sankt die Zufriedenheit leicht von rund 60 auf 55 Prozent.

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