
Der Tierschutzverband schlägt Alarm: Durch zu viele exotische Arten sind auch die Auffangstationen bereits am Limit. Deren Präsidentin sieht einen akuten Handlungsbedarf – auch, weil neue „Trends“ für zusätzliche Belastungen sorgen.
Hunde, Katzen, Kaninchen: Die Tierheime sind voll von ausgesetzten Vierbeinern, nicht gewolltem Nachwuchs oder in Not geratenen Streunern. Als wäre das nicht schon genug, bekommen es die heimischen Institutionen in den vergangenen Jahren mit immer mehr exotischen Tierarten zu tun. Nach behördlichen Abnahmen landen auch Halbaffen wie Kattas, Warane oder – der aktuelle „Trend“ – aus Australien stammende Kurzkopfgleitbeutler in den Tierheimen. „Solche Übernahmen haben dramatisch zugenommen“, weiß Andrea Specht, Präsidentin des Tierschutzverbands, des Dachverbands der NÖ Tierheime.
Platz, Temperatur, Ausbildung
Das große Problem: Unsere ohnehin völlig ausgelasteten Tierheime sind gar nicht auf deren aufwändige Behandlung und Anforderungen eingestellt. „Sie brauchen meist sehr viel Platz, hohe Raumtemperaturen und speziell geschultes Personal“, so Specht. Private Auffangstationen müssen daher aushelfen, sind aber selbst schon am Limit. „Es braucht in Niederösterreich ein Zentrum für gefundene oder beschlagnahmte Exoten“, sieht Specht dringenden Handlungsbedarf.
Hohe Zusatzkosten
Alleine im Jahr 2024 hätte das Tierheim Krems beispielsweise zwölf Großpapageien, einige Halbaffen und Reptilien aufnehmen müssen. „Dass befreundete Vereine wie Arge Papageienschutz und Tierschutz Austria einsprangen, kann nicht die Regel sein“, betont Specht. 12.000 Euro an Zusatzkosten entstanden dem Kremser Tierheim, das aufgrund seiner Zuständigkeit auch dann bezahlen muss, wenn man sich gar nicht selbst kümmern kann.
Strenge Auflagen gefordert
Zusätzlich fordert Specht ein generelles Handelsverbot und viel strengere Auflagen für solche Tierarten. „Es gibt in Niederösterreich leider einen florierenden Schwarzmarkt mit exotischen Tieren“, kritisiert sie. Wie hoch die Dunkelziffer ist, kann nur geschätzt werden: „Einen Papagei hört vielleicht noch der Nachbar, Schlangen oder Echsen aber nicht.“ Dazu erweisen sich private Haltungen vielerorts als völlig katastrophal und jenseits aller Mindestanforderungen. Wie etwa beim Kurzkopfgleitbeutler: Er braucht ein zumindest drei Meter hohes Gehege. „Das geht sich in kaum einer Wohnung aus“, so Specht.
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