Nach britischen Medienberichten zahlt NESV rund 300 Millionen Pfund (346 Millionen Euro) - genug, um die größten Bankschulden und -gebühren von 280 Millionen Pfund (323 Millionen Euro) an die mittlerweile in Staatsbesitz befindlichen Royal Bank of Scotland auszulösen, die Ende nächster Woche fällig sind. Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung der englischen Premier League.
Nun kommen also wieder spannende Zeiten auf die zahlreichen Fans der Reds zu, die zudem mit der sportlichen Talfahrt klarkommen müssen: Als derzeit 18. hat man den schlechtesten Meisterschaftsstart seit der Saison 1953/54 hingelegt - als man abstieg. Ohnehin lebten die Anhänger seit der Übernahme durch die US-amerikanischen Sport-Tycoons George Gillett und Tom Hicks im Februar 2007 in einem emotionalen Ausnahmezustand. Denn die beiden Investoren enttäuschten selbst die kleinste in sie gesetzte Hoffnung. Schnell war dem Anhang klar, dass die vielzitierten "Heuschrecken" eingefallen waren.
Ex-Investoren als Blaupause von ManUs Glazer
Hicks und Gillett präsentierten hochtrabende Pläne, wollten unter anderem ein neues Stadion hinstellen. Doch das Duo entpuppte sich als Blaupause von Malcolm Glazer. Jenem US-Amerikaner, der Manchester United seit 2005 im Alleinbesitz hat, dem profitablen Klub die Rückzahlung seiner eigenen Schulden aufhalste und damit ein riesiges Finanzloch von derzeit rund 850 Millionen Euro bescherte.
"Thanks but no Yanks" (siehe auch Bild), lautete denn auch das Motto der Fan-Opposition, vor dem Stadion an der Anfield Road ging gar die US-Flagge in Flammen auf. So erleichtert viele über den Abgang von Hicks und Gillett sein dürften, so steht ihnen nun aber eine neue Phase der Unsicherheit ins Haus. Denn noch sind die genauen Pläne des neuen starken Manns bei Liverpool nicht bekannt.
Neuer "starker Mann" betritt Fußball-Neuland
Henry ist der "Macher" bei NESV, dessen größtes Asset das Baseball-Team der Boston Red Sox ist - laut dem Magazin "Forbes" die zehntwertvollste Marke im Weltsport. Dass der 61-jährige Selfmade-Multimillionär als Investmentbanker zu seinem Vermögen gekommen ist, US-Amerikaner ist und mit Fußball bisher nichts zu tun hatte, dürfte zahlreichen Fans neuerliche Schauer über den Rücken jagen.
Ein Blick auf Henrys Aktivitäten bei den Red Sox könnte die Zweifler freilich leichter schlafen lasen. Mit der Übernahme des traditionsreichen, aber seit 1918 ohne World-Series-Titel gebliebenen Vereins läutete Henry 2002 eine neue Ära ein, deren bisherige Höhepunkte die Titel 2004 und 2007 waren. Zudem zeigte der neue Eigentümer gegenüber der Klubgeschichte angemessenen Respekt: So blieb die historische, aber limitierte Spielstätte "Fenway Park" unangetastet, wurden andere Wege zur Profitmaximierung gesucht. Gerade in Englands Fußball kein unwichtiges Detail...








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