Romario und Bebeto

Brasiliens Ex-Stürmer werden jetzt Politiker

Fußball
01.10.2010 11:15
16 Jahre, nachdem Brasiliens gefürchtetes Sturm-Duo Romario (Bild Mitte) und Bebeto die "Selecao" bei der WM 1994 in den USA zum vierten Titel führte, stehen beide Ex-Fußballer vor dem Sprung ins Parlament. Romario zieht es nach Brasilia, Bebeto in die Volksvertretung des Bundesstaates Rio. Nominiert sind beide - ob sie zum Zuge kommen, entscheidet am Sonntag kein Trainer, sondern allein der Wähler.

Romario tritt als Parlamentskandidat auf nationaler Ebene für die Sozialistische Partei Brasiliens (PSB) an. Letzte Umfragen zeigen, dass sein Sitz im Kongress so gut wie sicher ist. Er wird wohl seine geliebten Strände von Rio mit der futuristischen Hauptstadt Brasilia tauschen. Sein Ex-Sturmpartner Bebeto dagegen verlässt Rio nicht. Er will für die Demokratische Arbeiterpartei ins Regionalparlament, doch scheint sein Einzug noch nicht sicher.

Romarios Kampagne lief von Beginn an sehr gut, da ihm seine enorme Popularität zu Gute kam. Der 44-Jährige konzentrierte sich vor allem auf arme Viertel in der Peripherie der Millionen-Metropole Rio und anderen Städten. Er bekam viel Zuspruch auf der Straße. "Das ist eine völlig neue Erfahrung für mich, und ich bin überrascht über die Bereitschaft des Volkes, meine Vorschläge kennenzulernen", sagte "o Baixinho", "der Kurze", wie ihn Fans wegen seiner Größe von nur 1,69 Meter nennen.

Romario will Infrastruktur verbessern
Der Ex-Weltmeister fühlt sich wohl in seiner Partei: "Sozialist war ich schon immer." Im Fahrtwind der Mega-Projekte Fußball-WM 2014 und Olympia in Rio 2016 will er die Trinkwasser-Versorgung verbessern, sozialen Wohnungsbau vorantreiben, mehr Lehrer ausbilden und vieles mehr. Ein Thema liegt ihm ganz persönlich am Herzen - eine bessere Versorgung von Kindern mit Down-Syndrom, für die er Behandlungszentren einrichten will. Eine Tochter Romarios ist vom Down-Syndrom betroffen.

Sportler als Politiker
Romario und der 46-jährige Bebeto sind im brasilianischen Wahlkampf 2010 die prominentesten Sportler, aber nicht die einzigen. Auch der Ex-Volleyballspieler und Olympiasieger von 1992, Andre Falbo Ferreira, sowie der frühere Box-Champion Acelino "Popo" Freitas buhlen um die Gunst der Wähler. Und selbst weniger idol-taugliche Sportler treten an. Die wegen Dopings lebenslang gesperrte Schwimmerin Rebeca Gusmao will für die Kommunistische Partei in ein Regionalparlament. Auch in Österreich engagierten sich immer wieder Sportler in der Politik. Schwimm-Star Dinko Jukic etwa tritt bei der kommenden Wien-Wahl für die ÖVP an.

Den ein oder anderen dürften aber auch die Abgeordnetengehälter locken. Ein Bundesparlamentarier bekommt in Brasilien pro Jahr mit Zuschüssen umgerechnet etwa 132.000 Euro. Das könnte auch einem Romario gelegen kommen, denn er geriet 2009 vor allem wegen Finanzproblemen in die Schlagzeilen. Wegen Schulden wurde sein Luxusappartement für 4,36 Millionen Dollar (3,19 Mio. Euro) versteigert. Ende 2009 musste er wegen Steuerhinterziehung 224.000 Dollar (164.127 Euro) Strafe zahlen. Doch all das hat seiner Popularität nicht geschadet.

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(Bild: KMM)



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