05.09.2020 09:31 |

Eklat in den USA

Weiße Wissenschaftlerin gab sich als Schwarze aus

Inmitten heftiger Debatten über Rassismus in den USA sorgt nun der Fall einer Hochschuldozentin für Empörung. Die Historikerin Jessica Krug gab sich nämlich fälschlicherweise als Afroamerikanerin aus. Über ihre wahre Herkunft habe sie „den größten Teil“ ihres Erwachsenenlebens über gelogen, schrieb sie in einer Erklärung auf der Plattform „Medium“. Bis auf Weiteres darf Krug an der George-Washington-Universität in der US-Hauptstadt nicht unterrichten.

„Ich habe meine Vergangenheit als weißes, jüdisches Kind in den Vororten von Kansas City zugunsten mehrerer schwarzer Identitäten verschleiert, die zu beanspruchen ich kein Recht hatte“, gestand die auf die Geschichte Afrikas und der Kolonialzeit spezialisierte Historikerin ein. Demnach hatte die hellhäutige Krug sich erst als Nordafrikanerin, dann als Afroamerikanerin und dann als Schwarze mit karibischen Wurzeln aus dem New Yorker Stadtteil Bronx ausgegeben.

Psychische Problem und Kindheitstraumata
Nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN hatte Krug vor ihren Studenten das Wort „Neger“, wenn es in Texten vorkam, laut ausgesprochen - ein Tabu in den USA, dessen Bruch nur Schwarzen zugestanden wird. Als Grund für den Schwindel gab Krug psychische Probleme und Kindheitstraumata an. Auf diese ging sie nicht näher ein, betonte allerdings, dass dies alles keinerlei Rechtfertigungsversuch oder Entschuldigung zu verstehen sei.

„Ich habe seit Jahren oft daran gedacht, diese Lügen zu beenden. Aber meine Feigheit war stets stärker als mein ethisches Bewusstsein. Ich kann das Richtige vom Falschen unterscheiden. Ich bin ein Feigling“, zeigte sich die Historikerin zerknirscht.

Universität bedauert „Schmerz für Gemeinschaft“
„Wir sind uns des Schmerzes bewusst, den diese Situation bei vielen unserer Gemeinschaft verursacht hat“, erklärte die George-Washington-Universität. Viele derzeitige und ehemalige Studenten sowie Dozenten litten unter Krugs Identitätsschwindel.

In den USA gibt es derzeitig heftige Debatten und immer wieder Demonstrationen wegen der anhaltenden Diskriminierung von Schwarzen. Wegen wiederholter Fälle von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner bestimmt die Rassismus-Debatte auch den Wahlkampf vor der Präsidentschaftswahl am 3. November.

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