„Krone“ auf Mallorca

„Die Österreicher sind leider alle schon weg“

Die am Montag in Kraft tretende Reisewarnung zeigt anscheinend Wirkung: Wie ein „Krone“-Lokalaugenschein beweist, urlauben nur noch wenige Österreicher auf der Sonneninsel Mallorca. „Hier werdet ihr keine Österreicher mehr finden, meine Freunde, da seid ihr leider zu spät, die sind leider alle weg. Es haben 50 Prozent der Hotels zu, und auch ich weiß nicht, wie lange ich noch offen halten kann“, klärt Christian, Chef der Strandbar „Zur Krone“ in El Arenal, sichtlich geknickt auf.

Und fürwahr reisten aufgrund der Corona-Pandemie heuer ohnehin weit weniger österreichische Sonnenanbeter als sonst an die Playa, so hat die Reisewarnung, die ab Montag in Kraft tritt, nun wohl den Rest getan.

Denn beim „Krone“-Lokalaugenschein, egal, ob in Santa Ponsa, Paguera, Playa de Muro, El Arenal oder auch in Palma - Österreicher ausfindig zu machen, ist wie die buchstäbliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Und die wenigen Landsleute, die man trifft, wollen sichtlich genervt nicht ihren Unmut über die Reisewarnung kundtun, um später nicht in der Heimat darauf negativ angesprochen zu werden.

„Um Quarantäne zu entgehen, fliege ich verfrüht nach Hause“
Oliver Aschauer (31) aus Linz dagegen, der extra seinen Urlaub jetzt abbricht, spricht Klartext: „Ich halte das Ganze für total übertrieben, nachdem hier die Corona-Maßnahmen weit strenger befolgt werden als zu Hause. Aber um der Quarantäne zu entgehen, fliege ich verfrüht nach Hause.“

Ständige Kontrollen wegen Abstandsregel
Sein Ärger ist durchaus verständlich, denn das Thema wird auf der Insel wirklich ernst genommen. Selbst in den Straßen wird überall Mundschutz getragen, man kommt in kein Geschäft oder Restaurant, ohne sich davor desinfiziert zu haben, und auch an den Stränden hat die „Policia local“ ständig ihre Augen offen, dass auch die Abstandsregelungen eingehalten werden. Wenngleich sich derzeit eben fast ausschließlich Spanier dort aufhalten.

„Ich gehe in Österreich freiwillig in Quarantäne“
Weniger am Strand, dafür bei ihrer Tochter auf deren Pferde-Ranch in Algaida urlaubt derzeit Anna Hackner aus St. Pölten. „Ich finde es schade, dass die Reisewarnung nun beschlossen wurde. Mich betrifft es allerdings nicht, denn ich bin noch bis 19. September auf der Insel. Da ich Pensionistin bin, gehe ich danach, wenn es sein muss, in Quarantäne.“

M. Ruhmanseder, Kronen Zeitung

„Wir respektieren, aber teilen es nicht“
Reisewarnung: Ein Wort, das für Mallorca einem K.-o.-Schlag gleichkommen könnte. Tourismusdirektorin Rosana Morillo im „Krone“-Interview.

„Krone“: Wie ist die Situation auf Mallorca im Moment?
Rosana Morillo: Wir sind immer noch eine sehr sichere Urlaubsdestination - und haben alle entsprechenden Maßnahmen dafür getroffen. Es waren nicht einmal 50 Gäste, die während ihres Aufenthalts auf Mallorca positiv auf das Virus getestet wurden. Das ist eine sehr niedrige Zahl.

Dennoch haben Deutschland und Österreich Reisewarnungen für Mallorca verhängt - das endgültige Aus für die Saison?
Die Reisewarnungen sind ein schwerer Schlag für unseren Hauptwirtschaftssektor und für alle Gäste, die uns regelmäßig besuchen. Aber das Coronavirus ist ein globales Problem, das alle betrifft. Die Saison war von Anfang an schwierig - aber nicht nur für uns, sondern für ganz Europa.

Finden Sie, die Reisewarnungen sind gerechtfertigt?
Wir respektieren, aber teilen die Meinung nicht. Die Balearen sind eine jener Regionen mit den höchsten Testkapazitäten in Spanien. Wir möchten auch weiterhin ein sicheres Urlaubsziel bleiben. Damit das gelingt, unternehmen wir aktuell alles, um einen sicheren Luftkorridor mit unseren Hauptmärkten zu etablieren.

Haben aufgrund der Reisewarnungen viele Gäste storniert?
Dazu haben wir leider keine Zahlen.

Wird Mallorca verändert aus dieser Saison kommen?
Mallorca wird dieselbe Urlaubsdestination bleiben, die sie immer war.

Interview: Anna Haselwanter, Kronen Zeitung

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