21.08.2020 17:00 |

„Fidelio“ in Graz

Mit dem Taktstock die Kerkermauern gesprengt

Monatelang gab es in Graz nun wegen Corona keine Oper zu hören. Die konzertante Aufführung von Beethovens Befreiungsoper „Fidelio“ auf der Grazer Kasemattenbühne kommt also einem musikalischen Befreiungsschlag gleich. Dirigent Marcus Merkel hat eine veritable Luxusbesetzung neben sich auf der Bühne stehen - allen voran den walisischen Opernstar Sir Bryn Terfel.

„O grauenvolle Stille! öd ist es um mich her“, singt der Gefangene Florestan in seiner ersten Arie in Beethovens „Fidelio“. Es ist ein Satz, den so mancher steirische Opernfan in den vergangenen Monaten auch äußern hätte können. Doch so wie Leonore ausrückt, um ihren Geliebten zu befreien, setzt Dirigent und Mitveranstalter Marcus Merkel seinen Taktstock an, um die Mauern des Kerkers der Stille zu sprengen.

Befreiungsschlag mit Zögern
Und der Befreiungsschlag gelingt - zögerlich zwar, aber immerhin. Einerseits muss sich das Publikum erst wieder an eine gewisse Form der Nähe gewöhnen - auch wenn alle Sicherheitsabstände penibel kontrolliert werden und man sich als Besucher gut aufgehoben fühlt. Andererseits brauchen aber auch die Musiker am Premierenabend den einen oder anderen Moment, um sich wieder einzustimmen - man kann es verstehen!

Etwas unzentriert klingen die Grazer Philharmoniker zu Beginn noch - natürlich spielt dabei auch die weitläufige Akustik der Kasematten eine Rolle. Doch schon bald hat der Klangkörper - angetrieben von Merkel - seine Mitte gefunden und sorgt für wunderbare Momente.

Rollendebüt eines Opernstars
Sir Bryn Terfel gibt ein beeindruckendes Rollendebüt als Don Pizarro in Graz: Er verleiht dem Bösewicht Gewicht, ohne dabei jemals in Brutalität zu verfallen. Erstklassig Roberto Saccà, der die Rolle des Florestan sehr kurzfristig von Peter Seiffert übernommen hat und die Aufgabe bravourös meistert.

Bejubelt auch Peter Kellner, einst Ensemblemitglied an der Grazer Oper und nun an der Staatsoper in Wien, der dem Rocco viel Esprit verleiht. Stimmlich gut aber im Vergleich ein wenig farblos bleibt die Eleonore von Barbara Krieger. Solide Narine Yeghiyan (Marzelline), Neven Crnic (Minister) und Mario Lerchenberger (Jaquino). Tolle Akzente setzt der, stets gut eingestimmte, Grazer Opernchor - anfänglich noch mit Maske, doch auch für die Chorsänger kommt die Befreiung.

Das Resultat ist nicht nur ein äußerst wichtiges kulturpolitisches Zeichen, sondern auch ein toller Beitrag zum heurigen Beethoven-Jahr. Denn in einer derartigen Luxusbesetzung bekommt man den „Fidelio“ in Graz nicht alle Tage zu hören! Für Samstag und Sonntag gibt es noch Karten! 

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