19.08.2020 20:00 |

Nach Intervention

Kehrtwende: AUA-Manager zahlen die Prämien zurück

Kehrtwende bei der AUA: Nach der massiven Intervention von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) fließen ein Teil der vorgesehenen 2,9 Millionen Euro an Boni für Manager wieder retour. „Wir haben nach Rücksprache mit Blümel beschlossen, die für 2019 ausgezahlten Boni des Vorstands freiwillig zurückzulegen“, schrieb AUA-Chef Alexis von Hoensbroech am Mittwochnachmittag auf Twitter.

Heißt im Klartext: Die drei AUA-Vorstände zahlen ihre Boni von jeweils 500.000 Euro für 2019 zurück, „zusätzlich zu unserem Verzicht auf zwei Drittel der Einkünfte für die folgenden Jahre“, erklärte Vorstandssprecher Alexis von Hoensbroech.

Für weitere 200 Führungskräfte gilt das nicht
Für die anderen 200 Führungskräfte gilt das allerdings nicht. Die AUA hat trotz Staatshilfe für das abgelaufene Geschäftsjahr insgesamt 2,9 Millionen Euro an Prämien ausbezahlt. Eine halbe Million Euro davon ging den Angaben der Airline zufolge an den Vorstand. Im Geschäftsbericht 2019 (siehe Bild unten) wird verraten, dass die drei Herren zusammen über 2,8 Millionen Euro verdienten. Da ist der Bonus für 2018 enthalten, der noch deutlich höher war.

Blümel stieß Boni-Auszahlung sauer auf
Aufgrund der tristen Finanzlage verzichten sie ab heuer auf zwei Drittel. Trotzdem war das Ganze Blümel ziemlich sauer aufgestoßen: „Staatshilfe in Anspruch zu nehmen, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu haben und dem Vorstand gleichzeitig Boni auszubezahlen ist völlig inakzeptabel.“ Die AUA brauche jeden Euro Liquidität. Immerhin schießt der Staat 150 Millionen Euro Eigenkapital ein und gibt eine Garantie für einen Kredit von 300 Millionen Euro. Und viele Kunden warten noch auf die Rückerstattung ihrer stornierten Tickets.

Nicht alle Jobs können gerettet werden  
Den rund 6000 Mitarbeitern der AUA wird ein Sparpaket abverlangt, das in Kraft tritt, sobald die Kurzarbeit endet. Diese soll nach Wunsch des Unternehmens bis 2022 andauern. Die Details sind noch offen, doch auch das wird den Steuerzahler eine Menge Geld kosten, und nicht alle Jobs können damit gerettet werden. Derzeit fliegt die AUA mit 25 Prozent ihrer Kapazität (nach angebotenen Sitzkilometern), will das auf 30 Prozent erhöhen. Doch die neuesten Reisewarnungen bremsen auch die Fluglust, das wird die Verluste erhöhen.

Kommentar von Manfred Schumi: Über den Wolken
Es mag für viele selbstverständlich klingen: Ein Unternehmen, das ohne Staatshilfe nicht überleben kann, wird doch wohl keine Dividenden an die Aktionäre zahlen und keine Boni an die Manager ausschütten.

Doch dann gab es ein paar Überschlaue, die das anders interpretierten. Im Vorjahr habe man ja noch Gewinne gemacht, dafür hätte man sich doch den Bonus, der Teil des Gehaltes ist, verdient. Heuer verzichte man ohnedies auf einen Teil der Gage.

Offensichtlich schwebten einige in der AUA noch über den Wolken und litten unter erheblichem Realitätsverlust. Ohne die massive Hilfe der öffentlichen Hand wäre das Unternehmen nämlich bereits pleite. Da tut es nichts zur Sache, dass die Führung der Airline dabei keine Schuld trifft.

Der massive Protest des Finanzministers hat dazu geführt, dass doch rasch eingelenkt und das Geld zurückbezahlt wurde. Faktum ist, dass der Steuerzahler mehrere Jahre (!) Kurzarbeit für bis zu 6000 Beschäftigte finanzieren muss. Dazu kommen 150 Millionen Euro Zuschuss für das verbrannte Eigenkapital und ein 300-Millionen-Kredit mit Staatshaftung.

Das Unternehmen braucht jeden Cent und kann sich keine Geschenke leisten. Denn wie die Entwicklung der letzten Tage zeigt, führen Reisewarnungen und neue Corona-Fälle rasch zu neuen Rückgängen bei den Reisenden und damit bei den Flugpassagieren. Wenn das so weitergeht, wird sich bald die Frage stellen, wie lange das Geld für die AUA ausreichen wird.

Manfred Schumi, Kronen Zeitung

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