21.08.2020 05:00 |

Aktueller Überblick

Zoonosen: Von Tier zu Mensch

Spätestens seit der Coronakrise interessieren wir uns wieder mehr für die unterschiedlichsten Zoonosen - ein kurzer Überblick.

Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet nichts anderes als Tier-Krankheit. Dazu gehören Infektionen wie Tuberkulose, Befall mit Salmonellen, Campylobacter, Listerien, Band- und Herzwürmern, Toxoplasmose oder Leishmaniose, um ein paar Beispiele aufzuzählen. Vorweg: Nicht die Tiere sind im Fall einer Übertragung böse, sondern die Menschen schlecht informiert oder leichtsinnig. Ja, es stimmt schon, dass SARS-CoV-2 von Fledermäusen stammt. Aber wie kommt man in Kontakt mit Fledermäusen? In China waren es Märkte, auf denen alles angeboten wird, was sich bewegt. Darunter auch Fledermäuse, aus denen dort Speisen zubereitet werden, an die wir hier gar nicht denken wollen.

Um sich eine Zoonose einzuhandeln, kann man ruhig in Österreich bleiben. So gibt es etwa die Sandfliegen dank der globalen Klimaerwärmung nun auch schon bei uns. Sie übertragen den Erreger der Leishmaniose. Eine heimtückische Krankheit, die sich manchmal erst Jahre nach der Ansteckung zeigen kann. Die betroffenen Tiere, wie zum Beispiel Hunde, sterben ohne Behandlung. Hierzulande gibt es schon sehr viele infizierte Vierbeiner. Bei den weltweit rund 12 Millionen daran erkrankten Menschen kann es zu Hauterscheinungen („Beulen“) und zum Befall innerer Organe (Leber) kommen. Aus Deutschland sind Fälle von Infizierten bekannt, die das Land nie verlassen haben. Tipp: Hunde nicht im Freien übernachten lassen, weil die Insekten nachtaktiv sind. Alle Stechmücken übertragen übrigens zudem unter anderem Haut- und auch Herzwürmer! Hautwürmer - besonders stark im Osten Österreichs verbreitet - werden bis zu 17 cm lang und leben bevorzugt in der Haut von Hunden. „Erben“ Menschen diesen Parasiten, zeigen sie häufig knotige Schwellungen der Haut und Augenentzündungen.

Der Herzwurm ist derzeit bei uns zwar noch nicht heimisch, aber das soll laut Experten nur eine Frage der Zeit sein. Die Anzahl der vierbeinigen Herzwurmpatienten steigt. Hauptgrund ist der Import von erwachsenen Hunden aus östlichen Nachbarländern. Herzwürmer leben bis zu sieben Jahre lang und stellen auch für Menschen eine Gefahr dar. Die bis zu 30 cm langen Eindringlinge können die rechte Herzkammer sowie die Lungenarterie verstopfen, was bedrohliche Folgen hat.

Salmonellen und der Campylobacter sind für uns die bedeutendsten Auslöser von Darmkrankheiten. Als Wirte dienen neben Geflügel auch Schweine, Rinder, Hunde, Katzen und Vögel. Den Tieren passiert bei Ansteckung meistens nichts. Den Menschen leider schon. Die Schuld tragen wir allerdings selbst. Strenge Hygiene würde einer Übertragung keine Chance lassen. Man müsste nur unzureichend erhitztes Geflügelfleisch vermeiden. Dann könnte man sich Beschwerden wie blutige Durchfälle, Kopfweh und quälende Spätfolgen (Reizdarmsyndrom, Gelenk- und Augenentzündungen) ersparen.

So kommen Salmonellen in den Erdäpfelsalat
Ich erinnere mich an meine Studentenzeit. Da war im Fach Hygiene eine beliebte Prüfungsfrage, wie man sich Salmonellen durch Erdäpfelsalat einhandeln kann. Antwort: Man bearbeitet Hühnerfleisch auf einem Schneidbrett und zerkleinert anschließend Erdäpfel für Salat. Die Salmonellen wandern in die Erdäpfel - Bingo! Wer das nicht wusste, hatte keine Aussicht auf eine positive Note.

Zu den populärsten Zoonosen zählt der Bandwurm. Am bekanntesten ist der Hundebandwurm, gefährlicher aber jener, dem der Fuchs als Wirt dient. Im Westen Österreichs gilt jeder dritte Fuchs als Träger. Gelangt dieser Parasit (oft über ungewaschene Waldfrüchte wie Heidelbeeren) in den Menschen, muss er mit Bauchschmerzen, Gelbsucht und krankhafter Müdigkeit rechnen (bedingt durch eine Schädigung der Leber). Die Diagnose erfolgt mit Ultraschall, Röntgen bzw. CT. Behandelt wird sowohl beim Hunde-, als auch beim Fuchsbandwurm mit Anti-Wurmmedikamenten oder fallweise operativ. Vorbeugung: Waldbeeren gründlich säubern, nach Kontakt mit den Tieren oder deren Fellen Hände waschen.

Noch ein paar Sätze zur Toxoplasmose, die vielen Katzen zum Verhängnis wird, obwohl sie den Befall oft gar nicht merken. Der Verursacher, ein Einzeller namens Toxoplasma gondii, benötigt einen Zwischenwirt für seine Entwicklung. Das können neben Katzen auch Hunde, Schweine, Kaninchen, Hamster, Schafe oder Menschen selbst sein. Als Hauptüberträger auf den Menschen gelten Katzen. Falsch! Es sind kontaminierte Nahrungsmittel wie Obst, Salat und Gemüse oder ungenügend gekochtes Fleisch. Wichtiger Tipp: Lebensmittel gründlich waschen, Fleisch gut kochen (über 70 Grad C), nach jedem Kontakt mit Erde die Hände gründlich säubern. Die Liste der von Tieren auf Menschen übertragbaren Krankheiten ist noch viel länger. Aber dieser kurze Überblick soll darauf hinweisen, dass Zoonosen beim Menschen kein unabwendbares Schicksal wären.

Dr. Med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

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