19.08.2020 13:37 |

Blieb fast unbemerkt

Asteroid zog rekordverdächtig nahe an Erde vorbei

Am Sonntag ist ein Asteroid extrem knapp an der Erde vorbeigeflogen - der kosmische Brocken von der Größe eines Autos wurde von der NASA erst entdeckt, als es schon wieder am Planeten vorbeigezogen ist. Der Abstand betrug dabei nur 2950 Kilometer - so nahe ist bislang noch kein anderer Asteroid registriert wurde.

Erdnahe Asteroiden sind nichts Ungewöhnliches - permanent ziehen sie an unserem Heimatplaneten vorbei. Am Sonntag hat nun der Gesteinsbrocken „2020 QG“ die Erde in besonders geringem Abstand passiert - er befand sich dabei über dem südlichen Indischen Ozean.

So groß wie ein Auto
Der Asteroid mit einem Durchmesser von drei bis sechs Metern ist in Relation zu anderen recht klein - wäre er tatsächlich in die Atmosphäre eingedrungen, wäre er wohl als Feuerball geendet und hätte dabei keinerlei Schäden verursacht. „Unseren Berechnungen zufolge hat die Schwerkraft der Erde den Asteroiden um etwa 45 Grad gedreht und damit seine Flugbahn deutlich beeinflusst“, erklärt Paul Chodas vom NASA-Zentrum für erdnahe Objekte (CNEOS).

Erst nach Vorbeiflug entdeckt
Mit einer Geschwindigkeit von 12,3 Kilometern pro Sekunde raste „2020 QG“ mit umgerechnet 44.000 km/h an der Erde vorbei. Derart kleine Objekte sind aufgrund ihrer Größe und Geschwindigkeit nur sehr schwer zu entdecken. „Es gibt dazu typischerweise nur ein kleines Zeitfenster von ein paar Tagen vor oder nach der Annäherung“, so Chodas. Erst sechs Stunden nachdem der Asteroid bereits weitergezogen war, wurde er vom Palomar Observatorium in Kalifornien entdeckt.

Erinnerungen an Meteor von Tscheljabinsk
Der steinige Besucher weckt Erinnerungen an jenen Asteroiden, der im Jahr 2013 nahe der russischen Stadt Tscheljabinsk auf die Erde traf. Auch der wurde im Vorhinein nicht entdeckt, war aber mit einem Durchmesser von 20 Metern wesentlich größer als „2020 QG“. Er explodierte in der Erdatmosphäre und ließ dabei zahlreiche Fenster bersten - rund 1500 Menschen wurden damals verletzt.

Schwer zu entdecken
Schon seit 2005 wurde der NASA zum Ziel gesetzt, zumindest 90 Prozent der erdnahen Asteroiden mit einer Größe von mehr als 140 Metern zu finden. Diese stellen eine große Bedrohung dar, wenn sie auf die Erde treffen. Durch die Größe und die meist wesentlich geringere Geschwindigkeit können sie aber wesentlich einfacher entdeckt werden.

Asteroiden-Abwehr geplant
Ein großes Problem bei den Beobachtungen sind Objekte, die sich aus Richtung der Sonne der Erde annähern. Die NASA arbeitet derzeit an einem Weltraumteleskop, damit auch diese besser entdeckt werden können. Gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) sind zudem zwei Raumsonden („Dart“ und „Hera“) geplant, die gefährliche Asteroiden bereits vor dem Aufeinandertreffen mit der Erde in eine andere Flugbahn ablenken sollen.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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