20.09.2010 09:21 |

Callgirl bestellt

Keine Notwehr: 15-Jähriger stach Frau aus Hass nieder

Wende im Fall des 15-jährigen Burschen, der am Samstag in der elterlichen Wohnung im Wiener Bezirk Favoriten eine Frau niedergestochen und anschließend behauptet hatte, diese bei einem Einbruch ertappt und in Notwehr gehandelt zu haben. In Wahrheit hatte sich der Schüler zur Mittagszeit bei einem Escort-Service eine Prostituierte bestellt. Er wollte sich allerdings nicht mit dieser vergnügen, sondern sie umbringen. Die Vorgangsweise des 15-Jährigen überrascht selbst erfahrene Kriminalisten...

Während sich das schwer verletzte Opfer - eine 24 Jahre alte Frau aus Rumänien - in ein Nebenzimmer retten konnte, die Tür verriegelte, lautstark um Hilfe schrie und so Nachbarn auf sich aufmerksam machen konnte, die wiederum die Polizei alarmierten, blieb der Schüler seelenruhig in der Wohnung und wartete auf das Eintreffen der Uniformierten.

Bursch tischte Beamten Märchen auf

Den Beamten wollte der Bursch dann weismachen, er sei von einem Friseurbesuch nach Hause gekommen und habe die Frau, die nebenan in ihrem Blut lag und zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ansprechbar war, auf frischer Tat beim Einbrechen erwischt. Zwei männlichen Mittätern der Einbrecherin wäre die Flucht gelungen, während ihm in Notwehr nichts anderes übrig geblieben sei, als zum Messer zu greifen.

Ein mit dem Fall betrauter Kriminalist attestierte dem Burschen, der äußerlich wesentlich älter als 15 wirken soll ("Er schaut eher aus wie ein 20- bis 25-Jähriger"), am Sonntagnachmittag "eine gewisse Raffinesse in der Ausrede". Im Bezug auf sein Alter sei das "durchaus beachtlich". Der Ermittler bezeichnete den Jugendlichen weiters als "schweren Problemfall" und ging davon aus, dass einem Gerichtspsychiater im weiteren Verfahren eine tragende Rolle zukommen wird: "Er hat sicher ein schweres psychisches Problem."

War 15-Jähriger zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig?

Der Schüler wurde am Sonntagnachmittag ins Landesgerichtliche Gefangenenhaus überstellt. Dort wird in den nächsten 48 Stunden über ihn die U-Haft verhängt, was bei Verdacht auf versuchten Mord obligatorisch ist. Die Staatsanwaltschaft wird mit Sicherheit einen psychiatrischen Sachverständigen beiziehen und abklären lassen, ob bei dem Jugendlichen eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung oder eine geistig-seelische Abartigkeit höheren Grades vorliegt. Sollte der Gutachter feststellen, dass beim 15-Jährigen zum Tatzeitpunkt Zurechnungsunfähigkeit gegeben war, würde ein Schuldausschließungsgrund vorliegen.

Trennung seiner Eltern nicht überwunden
Der Bursch hatte die Trennung seiner Eltern nie verwinden können. Die Ehe war gescheitert, weil sein Vater zu oft das "älteste Service der Welt" in Anspruch genommen hatte. Als der Teenager von den amourösen Ausflügen seines Papas erfuhr, war der Keim zu einem unbändigen Hass auf Prostituierte in seinem Herzen gesetzt. Dazu klang ihm noch ständig das Schimpfen seiner betrogenen Mutter über die Liebesdienerinnen in den Ohren.

Frau bei Escort-Service bestellt
Als er Samstagmittag allein zu Hause gewesen war, hatte der Schüler die Gelegenheit genützt, um seinen offenbar schon länger gehegten Plan, auf eine Prostituierte loszugehen, in die Tat umzusetzen. Er suchte sich bei dem Escort-Service, das er anrief, keine bestimmte Frau aus und gab auch keine speziellen Vorlieben an. Die 24-Jährige, die kurz darauf bei ihm anläutete, wurde demnach aus reinem Zufall zum Opfer der Gewalttat.

Zwischen der Frau und ihrem vermeintlichen Kunden kam es laut Polizei zu keinerlei sexuellen Handlungen. Dieses Thema dürfte nicht einmal besprochen worden sein. Vielmehr ging der Bursch sogleich mit Fäusten und einem Messer auf die 24-Jährige los und stach mehrmals auf sie ein.

Opfer außer Lebensgefahr
Das Opfer, das mit schweren Stichverletzungen an Hals und Oberkörper ins Spital geflogen wurde, befindet sich mittlerweile außer Lebensgefahr. Die Frau konnte von der Polizei inzwischen auch befragt werden und aus ihrer Sicht kein rationales Motiv für die Attacke nennen.

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