14.08.2020 08:52 |

Zu groß zum Scheitern

Facebook-Kollaps hätte „katastrophale Folgen“

Wie die Banken in der Finanzkrise von 2008 sind auch Facebook und andere Technologieriesen „zu groß, um zu scheitern“. Dieser Auffassung sind zumindest zwei Wissenschaftler der britischen Universität Oxford. Sie warnen deshalb vor den Folgen, die ein möglicher Zusammenbruch von Facebook und Co. für die Gesellschaft haben könnte.

„Der Untergang einer globalen Online-Kommunikationsplattform wie Facebook könnte katastrophale soziale und wirtschaftliche Folgen für unzählige Gemeinschaften haben, die täglich auf die Plattform angewiesen sind“, so Carl Öhman und Nikita Aggarwal vom Oxford Internet Institute, „ebenso wie für die Nutzer, deren persönliche Daten Facebook sammelt und speichert“.

Für sie könnte der Zusammenbruch von Facebook weitreichende Auswirkungen haben. Am unmittelbarsten wäre der Verlust der Nutzung der Website selbst. Das, so Aggarwal gegenüber dem britischen „Guardian“, sei ein besonders akutes Problem in vielen Entwicklungsländern, „in denen Facebook möglicherweise das wichtigste Kommunikationsmittel der Menschen ist“. Der plötzliche Verlust des sozialen Netzwerks könnte die Menschen von Freunden, Familie, genauen Informationsquellen oder einem wichtigen Motor des Handels trennen.

Längerfristig würde der Zusammenbruch einer solchen Website auch den Verlust einer riesigen Menge an historischem Material bedeuten, das zukünftige Generationen in einer Weise schätzen würden, die die Gesellschaft noch nicht vorhersagen kann. Aggarwal denkt deshalb laut „Guardian“ über die Möglichkeit nach, das Facebook-Archiv zu einer „Stätte des digitalen Welterbes“ erklären zu lassen, ähnlich dem Welterbestatus der Unesco.

Analogie zu Finanzkrise
Wie der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers möge auch der Zusammenbruch eines Unternehmens von der Größe von Facebook fast unmöglich erscheinen. Aber die Lehren aus der Finanzkrise zeigten, dass Gesellschaften das Unmögliche planen müssten, argumentieren die beiden Wissenschaftler und ziehen damit „ausdrücklich eine Analogie zum Konzept der ‘systemisch wichtigen Finanzinstitute‘, das eine Antwort auf das ‘Too big to fail‘-Problem war“.

Die beiden schlagen daher ein neues Konzept „systemisch wichtiger technologischer Institutionen“ vor, um Unternehmen wie Facebook - ähnlich den Bankenrettungen in Folge der Finanzkrise im Jahr 2008 - einzuschränken und zu regulieren, sodass der durch einen möglichen Zusammenbruch verursachte Schaden minimiert wird. „Zu groß, um zu scheitern“ bedeutet laut Öhman allerdings nicht, dass Facebook & Co. so wichtig seien, dass sie für immer existieren müssten.

„Eigentlich sagen wir, ‚zu groß, um auf turbulente und unorganisierte Weise unterzugehen“ - schließlich wären auch nur wenige glücklich, wenn Banken von heute auf morgen scheitern und alle Ersparnisse und Geldvermögen ihrer Kunden mit sich nehmen würden.

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