09.08.2020 14:00 |

Nord- und Südtirol

Bauern verbünden sich im Kampf gegen den Wolf

Der Wolf geht um! In Südtirol schon viel länger als in Nordtirol. Seit zehn Jahren gehen dort die Emotionen hoch. Dort wie da sehen die Bauern kein Miteinander von Almwirtschaft und Wölfen. Jetzt verbünden sie sich und wollen den Druck auf die EU erhöhen. Doch das Beispiel Südtirol zeigt, dass das nicht so einfach ist.

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Auf dem Pfitscherjoch am Übergang zum Zillertal wurden dieser Tage drei Südtiroler Schafe und zwei Nordtiroler Ziegen gerissen. Es war mit größter Wahrscheinlichkeit ein Wolf. Das Thema ist längst ein grenzüberschreitendes. In Südtirol sind derzeit vier Wolfsrudel mit rund 40 Individuen dokumentiert. Jedes Jahr fallen einige dutzend Nutztiere dem Beutegreifer zum Opfer. „Almwirtschaft und Wölfe, das geht nicht zusammen“, lässt Südtirols Bauernbundobmann Leo Tiefenthaler keinen Zweifel an der Position der Bauern. Sie wollen ein wolfsfreies Südtirol. Am Samstag wurde mit Nordtiroler Kollegen bei einer Wanderung in Nauders das gemeinsame Vorgehen besprochen. Mit dabei die Europaabgeordneten Simone Schmiedtbauer (Österreich) und Herbert Dorfmann (Italien). Sie sollen dort Druck machen, wo die Causa Wolf entschieden wird: in der EU.

Landesgesetz ohne Durchschlagskraft
Die Europäische Union gewährt dem Wolf besonderen Schutz. Regionale Sonderregelungen sind nicht vorgesehen. In Südtirol wurde vor zwei Jahren ein Gesetz beschlossen, das den Abschuss von Wölfen ermöglicht. Exekutiert wurde das Gesetz bisher nicht. „Dafür braucht es zuerst ein Gutachten von der Umweltbehörde in Rom“, erklärt Andreas Agreiter vom Südtiroler Amt für Jagd und Fischerei. Aber kaum jemand glaubt, dass Rom jemals einem Abschuss zustimmen wird. Das sei totes Recht, wettern die Bauern.

LH-Stv. Josef Geisler in einer heiklen Lage
In Nordtirol haben die Bauern – wie berichtet – einen Verein im Kampf gegen den Wolf gegründet. In einer heiklen Lage befindet sich LH-Stv. Josef Geisler: Er muss als Landespolitiker glaubhaft vermitteln, dass Tirol den Schutz des Wolfes ernst nimmt. Als Bauernbundobmann steht er unter Druck, weil die Landwirte das Ende der Almwirtschaft befürchten.

Sender für Wolf: „Nur einmal gelungen“
Um der EU zu zeigen, dass Tirol nicht leichtfertig einen Abschuss fordert, hat Geisler verfügt, dass der Problemwolf betäubt und mit einem Sender ausgestattet werden soll. So will man seine „Umtriebe“ dokumentieren. Dass das mit dem Sender gelingt, glaubt in Südtirol kaum jemand. „Bei uns ist das einmal gelungen. Aber nur bei einer Wölfin mit Jungen, weil sich Jäger in der Nähe des Baus auf die Lauer gelegt haben“, erklärt Agreiter.

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