04.08.2020 12:23 |

Unterwegs am Semmering

Auf den Spuren der ersten Hochgebirgsbahn der Welt

Fährt man mit dem Zug über den Semmering, denkt man gar nicht an die Herausforderungen, die es einst zu überwinden galt. Immerhin ist die Semmeringbahn die erste Hochgebirgsbahn der Welt. 1848 bis 1854 unter der Leitung von Carl Ritter von Ghega erbaut, wurde die Semmeringbahn als erste Bahn weltweit 1998 zum Unesco-Welterbe erklärt.

Können Sie sich noch an die 20-Schilling-Banknote erinnern? Genau! Sie zeigte Carl Ritter von Ghega und eines der bekanntesten Bauwerke der Semmeringbahn, das Kalte-Rinne-Viadukt. Der Mathematiker und Ingenieur baute eine der atemberaubendsten Bahnstrecken Österreichs: Sie verbindet Wien mit dem für die damalige Monarchie wichtigen Mittelmeerhafen Triest, der heute in Italien liegt, und führt quer durch die Alpen – durch 15 Tunnel und über 16 zum Teil zweistöckige Viadukte.

Ghegas Biografie ist beachtlich: Geboren 1802, studierte der Venezianer bereits mit 15 Jahren in Padua Mathematik. Seine Begabung blieb nicht lange verborgen. Wien brauchte eine schnelle Verbindung nach Triest; Ghega schien der richtige Mann für das gewaltige Projekt zu sein. Denn er war bereits für den Bau verschiedener Teilstrecken der österreichischen Nordbahn, die von Wien nach Krakau führte, verantwortlich. So plante er akribisch genau die Strecke über den Semmering, einen 984 Meter hohen Gebirgspass in den Alpen. 42 Kilometer galt es zu überwinden.

Von Wien bis ins niederösterreichische Gloggnitz gab es bereits eine Eisenbahnstrecke. Und auf der anderen Seite des Gebirges die Strecke vom steirischen Mürzzuschlag bis zur bekannten Hafenstadt in Norditalien ebenso. Ghega durchwanderte Schluchten, Gräben und erklomm Berge, mit seinen Berechnungen wollte er nichts dem Zufall überlassen. Er musste auch seinen Kritikern standhalten, die behaupteten: Keine Lokomotive sei in der Lage, die geplanten Steigungen zu befahren, geschweige denn Nutzlast zu befördern. Carl Ghega vollendete 1847 seinen Entwurf einer Überschienung des Semmerings. Der Baubeginn fiel in die Zeit der Revolution. Um die durch die Industrialisierung beschäftigungslos gewordenen und revoltierenden Arbeiter möglichst rasch aus Wien wegzubringen, erteilte man innerhalb kürzester Zeit den Baubescheid, heißt es im Buch „Weltkulturerbe Semmeringbahn“ (Christian Schuhböck).

Eine Pionierleistung mit Vorbildfunktion
Zahlreiche Gräben und Schluchten mussten überwunden werden – mit Kunstbauten nach Vorbild der römischen Antike einheitlich im klassizistischen Stil, mit Viadukten. Bauarbeiter bearbeiteten mühevoll mit Hammer und Meißel die einzelnen Steinquader. Mittels Winden wurden diese auf die Holzgerüste emporgehoben und genau versetzt. Noch vor der Fertigstellung 1854 wurde Ghega im Jahr 1851 in den Ritterstand erhoben.

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Die Bahn war ein wesentlicher Motor für die Tourismusentwicklung am Semmering. Bis ins Jahr 1860 sollte der Kulminationspunkt der Semmeringbahn mit 898 Meter Seehöhe direkt im Scheiteltunnel der höchste mit öffentlichen Eisenbahnen erreichbare Ort bleiben. Eingebettet in eine wunderschöne Landschaft, gilt die Semmeringbahn bis heute als Vorbild für alle Gebirgsbahnen der Welt.

Susanne Zita, Kronen Zeitung

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