27.07.2020 16:34 |

Briten machen Ernst

Quarantäne: Kalte Dusche für Spaniens Tourismus

Der ohnehin schwer angeschlagene spanische Sommertourismus sieht sich derzeit mit einer weiteren Hiobsbotschaft aus dem kalten und verregneten London konfrontiert. Seit Samstag müssen britische Urlauber nach ihrer Heimkehr aus Spanien wegen steigender Corona-Fallzahlen in eine zweiwöchige verpflichtende Quarantäne. Die Ankündigung aus der Downing Street erfolgte praktisch ohne Vorwarnung und überraschte sogar den britischen Verkehrsminister Grant Shapps, der gerade - wie Zehntausende andere Briten - seinen Sommerurlaub in Spanien verbringt. 

„Die Quarantäne hat dem Tourismussektor in Spanien, der sich auf einen katastrophalen Sommer gefasst macht, den Rest gegeben“, titelte die sonst nicht zum Alarmismus neigende Zeitung „El País“ am Montag. Auch Norwegen und Belgien setzten bereits Quarantäneregeln für Spanien-Rückkehrer in Kraft. Frankreich warnt vor Reisen nach Katalonien und in andere Regionen.

„Todesstoß“ für spanische Tourismussaison 
In anderen spanischen Medien wurden bereits Befürchtungen laut, dass die „Katastrophe komplett“ wäre, sollte auch Deutschland dem britischen Beispiel folgen. „La Vanguardia“ aus Barcelona schrieb von einem britischen „Todesstoß“ für die Urlaubssaison. Martin Sarrate, Präsident des Dachverbands katalanischer Reisebüros, sprach von einem „Keulenschlag“ für die ganze Branche.

Erneute Ausgangsbeschränkungen in Katalonien möglich
Laut Behördenangaben gibt es in Spanien derzeit 280 lokale Corona-Ausbrüche. Besonders betroffen sind neben Katalonien mit der Tourismus-Metropole Barcelona auch die Gegend um Lleida sowie die Region Aragon. Der im Kreuzfeuer der Kritik stehende Regionalpräsident von Katalonien, Quim Torra, schloss sogar Ausgangsbeschränkungen für seine Region nicht mehr aus.

Zu wenig Personal für Virus-Nachverfolgung
Im ganzen Land fehlt es an Personal, um die Infektionsketten rasch nachverfolgen zu können. Von mehr als 8500 notwendigen Nachverfolgern stehen lediglich 3500 zur Verfügung. Ein Kollaps der Tourismusbranche könnte das ganze Land mit hinunterziehen. Viele Hotels öffneten nach den Schließungen während des Corona-Notstands gar nicht erst wieder, geöffnete Beherbergungsbetriebe sehen sich mit einer Flut an Stornierungen konfrontiert.

Madrid will Ausnahme für Balearen ausverhandeln
Die Regierung in Madrid versucht derzeit zu retten, was noch zu retten ist, und verhandelt mit dem britischen Außenminister Dominic Raab darüber, zumindest die Balearen und die Kanaren von der Quarantänepflicht auszunehmen.

Für Spaniens Wirtschaft ist der Tourismus von unschätzbarem Wert. Alleine im vergangenen Jahr trugen die 84 Millionen ausländischen Besucher etwa 160 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt bei, was etwa 18 Prozent des BIP entspricht.

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