09.07.2020 15:19 |

Mahnwache in New York

Schuhpaare stehen für Opfer von US-Waffengewalt

New York kämpft derzeit gegen einen massiven Anstieg der Waffengewalt. Seit Sonntag wurden mindestens 60 Menschen bei Schießereien in der Stadt verwundet, elf Personen erlagen ihren Verletzungen. Am Donnerstag wurde vor der Brooklyn Borough Hall eine Mahnwache initiiert. In einer dramatischen Vorführung wurden 101 Schuhpaare aufgestellt, um auf weitere Opfer von „Gun Violence“ hinzuweisen. Unter jedem Paar war ein Etikett mit der Aufschrift „Black“ oder „Latino“ angebracht. Die Veranstalter fordern ein Ende der (Banden-)Kriminalität und des Blutvergießens.

Mütter ermordeter Kinder und sogenannte Community Leaders riefen mit einem dramatischen Appell zum Handeln auf. Unter ihnen Natasha Christopher, deren erst 14-jähriger Sohn im Jahr 2012 erschossen wurde.

„Ich habe die Nase voll davon“
„Ich bin untröstlich. Ich habe die Nase voll davon. Wir sagen immer wieder ,Black Lives Matter‘, aber das Leben der Schwarzen muss für die Schwarzen von Bedeutung werden“, richtet sie sich laut CBS New York an die zahlreich erschienenen Zuseher in der Nähe eines aufgestellten grauen Sarges. Die Zahl der Morde stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent.

„Gun Violence“ hält New York im Würgegriff
Zuvor waren auf den Stufen des Gebäudes 101 Schuhpaare aufgereiht worden, alle mit Schildern wie „Black“ oder „Latino“ versehen. Die Schuhe repräsentieren die Opfer der Waffengewalt, die New York derzeit fest im Griff hat. Alle Menschen entstammten Minderheiten und wurden aus den unterschiedlichsten Gründen getötet.

Corona-Krise als Grund für Gewalt
Für den Anstieg der Schießereien und Gewaltverbrechen wird eine Vielzahl an Gründen genannt, unter anderem die durch die Corona-Krise verursachte Isolation und Rekord-Arbeitslosigkeit. Die Polizei macht unter anderem Strafrechtsreformen verantwortlich, durch die Inhaftierte wegen der Pandemie (frühzeitig) aus der Haft entlassen worden waren. Aber auch die temporären Shutdowns der Gerichte werden als Grund genannt: Viele Urteile wurden (noch) nicht vollstreckt, viele Straftäter befänden sich auf freiem Fuß.

„Wie kommen die überhaupt an Waffen?“
„Die Schießereien basieren auf dem Mangel an Ressourcen in der Gemeinde“, so Anthony Beckford, „Brooklyn Black Lives Matter“-Präsident. „Wenn wir keine Mittel zur Verfügung stellen, um das zu überwinden, wird dieser Kreislauf fortgesetzt. Wenn wir uns in einer verarmten Gemeinde befinden, wie kommen sie dann überhaupt an Waffen? Wer bringt sie rein? Es muss eine Arbeitsbeziehung zwischen Bundesstaaten und Bund bestehen, um das unter Kontrolle zu bringen. Wir sollten auch hinter denen her sein, die Waffen liefern - sie leben nicht in unseren Gemeinden“, richtet er sich laut Tageszeitung „AMNY“ an die Passanten. Es sei jedoch schwer, an die Bandenmitglieder heranzukommen.

„Sind die Ersten, die uns verraten“
„Wer sind letzten Endes die Leidtragenden?“, fährt er fort. „Auch wenn wir gewählte Beamte haben, die wie wir aussehen, bedeutet das nichts, denn manchmal sind sie die Ersten, die uns verkaufen, damit sie einen bequemen Job bekommen oder ihre Amtszeit fortsetzen können. Wir werden auch sie zur Rechenschaft ziehen müssen", schlussfolgert Beckford - hinter ihm 101 Schuhpaare als stumme Zeugen und Mahnmal gegen Waffengewalt.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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