23.06.2020 17:31 |

Nach Krawallnacht

Kommt Alkoholverbot für Stuttgarter Innenstadt?

Nach den schweren Krawallen in Stuttgart vom Wochenende hat die baden-württembergische Landesregierung am Dienstag eine erste Bilanz der Ermittlungen vorgelegt: Bisher wurde über acht Verdächtige eine Untersuchungshaft verhängt. Die Vorwürfe lauten unter anderem auf schweren Landfriedensbruch, tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte und schweren Diebstahl. Die Verdächtigen besitzen die deutsche, kroatische, irakische, portugiesische und lettische Staatsangehörigkeit. Da die Randalierer zum Teil schwer alkoholisiert waren, überlegen die Behörden, Alkoholverbote über Teile der Stadt zu verhängen.

Bereits am Montag hatten die Ermittler mitgeteilt, dass einem 16-Jährigen versuchter Totschlag vorgeworfen wird. Er soll einen am Boden liegenden Studenten, der die Ausschreitungen kritisiert hatte und zusammengeschlagen worden war, gezielt gegen den Kopf getreten haben. Die Ermittler werfen dem Jugendlichen vor, den möglichen Tod des Opfers zumindest billigend in Kauf genommen zu haben.

Die insgesamt 25 Verdächtigen, gegen die nun ermittelt wird, sind nach Angaben von Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) zwischen 14 und 23 Jahre alt. Bei ihnen wurde zum Teil erheblicher Alkoholkonsum festgestellt. Bei einem 23-Jährigen wurde ein Alkoholwert von 2,23 Promille im Blut festgestellt. Die Ermittlungen führt eine 40-köpfige Ermittlungsgruppe.

Ministerpräsident sieht „Anschlag auf inneren Frieden“
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bezeichnete die Gewalttaten und Plünderungen nach einer Kabinettssitzung am Dienstag als einen „Anschlag auf den inneren Frieden“, der auch nicht mit Corona-Frust zu rechtfertigen sei. Das gesamte Kabinett stehe hinter der Polizei.

Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl kündigte ein Zehn-Punkte-Konzept für Kommunen an, das Kontrollmaßnahmen, Videoüberwachung sowie Alkohol- und Aufenthaltsverbote beinhaltet. Er bot der Stadt Stuttgart an, gemeinsam mit dem Land auf dieser Grundlage ein Sicherheitskonzept für den öffentlichen Raum zu erarbeiten. „Ich hoffe, die Nacht vom Samstag auf Sonntag hat manchem die Augen geöffnet“, sagte Strobl.

Polizeipräsident: „Überwiegende Mehrheit steht hinter Polizei“
Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, warnte indes vor einer Verharmlosung der Ausschreitungen. „Was in Stuttgart passiert ist, waren weder Happening noch Event, sondern schwerste Straftaten“, sagte er gegenüber mehreren Medien. Die respektlose, gewaltbereite Haltung der Randalierer sei aber keinesfalls repräsentativ für Deutschland. „Nach meiner Wahrnehmung steht die ganz überwiegende Mehrheit der Bevölkerung hinter ihrer Polizei“, sagte Romann.

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