04.06.2020 06:57 |

Alko-Lenker gegen Haus

„Kinder in letzter Sekunde zur Seite geworfen“

Zwischen Tragödie und glücklichem Ausgang lag wohl nur ein Wimpernschlag: In einer Kurve bei Schwendt im Tiroler Unterland (Bezirk Kitzbühel), wo es zuletzt zu mehreren Unfällen gekommen war, „sprang“ das Auto eines Betrunkenen (56) über die schräge Leitschiene, mähte den Gartenzaun der Anrainerfamilie Aschaber nieder, ehe der Pkw ins Haus krachte. Die Mutter (34): „Ich habe die Kinder in letzter Sekunde zur Seite geworfen.“

Der Autolenker war Dienstag gegen 15.40 Uhr von St. Johann nach Kössen unterwegs. In einer Linkskurve geriet er auf die schräg ansteigende Leitschiene und wurde in die Wiese katapultiert. Gleich danach beginnt das Grundstück der Familie Aschaber. „Ich habe plötzlich nur mehr die Bretter unseres Gartenzauns fliegen gesehen. Irgendwie konnte ich noch meine Kinder packen und auf die Seite werfen - die Ältere bei den Haaren, aber wie das genau ablief, kann ich nicht mehr sagen“, erzählte die zweifache Mutter (34) der „Krone“.

Vierjährige Tochter nur schwer zu beruhigen
Sie selbst erlitt Blessuren an Knie, Schulter und Kopf und musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Kinder blieben unverletzt – „aber es hat eine Stunde gedauert, bis ich die Ältere halbwegs beruhigt hatte.“ Zurück blieb ein verwüsteter Garten inklusive eines zerquetschten Spielzeugtraktors, der förmlich in der Front des Pkw steckte.

Das Unfallauto krachte mit einer derartigen Wucht gegen die Hauswand, dass sogar innen Risse entstanden. Jetzt muss ein Statiker prüfen, ob die Wände überhaupt noch stabil sind.

Rauschig? „Ja, das kann sein“
Der glimpflich davongekommene Unfalllenker hatte mehr als zwei Promille intus. Mit der Mutter kam es nur zu einem kurzen Wortwechsel: „Bist rauschig? – „Ja, das kann sein.“

Drei Unfälle in nur eineinhalb Jahren
Wie gefährlich ist diese Kurve der B176? Bei der Polizei Kössen sind drei ähnliche Ausritte in nur eineinhalb Jahren aktenkundig, in den 20 Jahren zuvor sei kaum etwas passiert. Zugriff auf die Statistik habe man kurzfristig aber nicht.

Die Anrainerin betont: „Es gab viele Ausritte, nicht alles wurde offiziell erhoben.“ Erst vor einigen Wochen wurde eine Leitschiene montiert. „Ich habe mich recht sicher gefühlt – und nun waren wir schon wieder in Lebensgefahr!“

Die Leitschiene wird demnächst verlängert
Dazu Straßenmeister Michael Aufschnaiter: „Niemand hat damit gerechnet, dass diese Leitschiene nicht genügen könnte.“ Umgehend soll diese Barriere nun aber verlängert werden, laut Aufschnaiter um zehn bis zwölf Meter. Die geforderte 60-km/h-Zone (es gilt hier Freiland mit 100 km/h) sehen Polizei und Straßenmeister skeptisch. Tenor: Die Kurve bremse jeden vernünftigen Lenker ein, gegen Raser sei man machtlos.

Andreas Moser
Andreas Moser
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