26.04.2020 09:00 |

Ärger über Regierung

Museen: Die Leere kommt einfach billiger

Für Verwirrung und Ärger in der Kunstszene sorgt das stümperhafte Vorgehen der Bundesregierung, was das Hochfahren in diesem sensiblen Bereich betrifft. So dürfen die Museen zwar ab dem 15. Mai (mit strikten Vorgaben) wieder öffnen, für viele ist es aber wirtschaftlicher vorerst geschlossen zu halten.

Auch in der Steiermark haben sich die großen Museen entschlossen, ihre Tore erst wieder ab 1. Juli zu öffnen. „Wir haben es gerade geschafft, fast alle unsere Mitarbeiter im Kurzarbeitsmodell der Regierung unterzubringen, wenn wir jetzt abbrechen und es kommt eine zweite Welle mit erneuten Schließungen ist das Chaos komplett“, erläutert Alexia Getzinger, Geschäftsführerin des Universalmuseum Joanneum.

Und auch für den zweiten Chef dieser Institution Wolfgang Muchitsch ist der wirtschaftliche Schaden wesentlich geringer, wenn man beim Kurzarbeitsmodell bleibt. Sollte die Regierung andere Lösungen anbieten, wäre man bereit, sofort aufzusperren, heißt es aus dem Joanneum. Ähnliches gilt auch für das GrazMuseum.

Teilweise Öffnung
Eine teilweise Öffnung ist aber trotzdem vorgesehen. So sollen die geschlossenen Freiluftbereiche des Universalmuseums Joanneum, konkret der Schlosspark in Eggenberg sowie der Skulpturenpark in Premstätten, unter den vorgegebenen Schutzmaßnahmen mit 18. Mai wieder geöffnet werden. Auch das Künstlerhaus in Graz, das dem Joanneum räumlich zugeordnet ist, sperrt Mitte Mai wieder auf.

Kunstunis bieten Expertise an
Ihre Expertise beim Hochfahren des Kultursektors bieten auch die sechs österreichischen Kunstuniversitäten an. Die Rektorinnen und Rektoren zeigen sich in einer Aussendung besorgt, dass die aktuellen Entwicklungen „den gesamten Bereich nachhaltig zu beschädigen und Kulturschaffende in existenzielle Not zu stürzen drohen.“ Sie reihen sich damit auch in die Reihe der Kritiker ein, die „die gesamte Bundesregierung dringend aufrufen, den Kunst- und Kultursektor mit der gleichen Sorgfalt zu behandeln wie die übrigen gesellschaftlichen Teilbereiche“.

Weitere Konferenz in der kommenden Woche
In Wien haben mittlerweile auch einzelne Museen entschieden, ihre Tore bereits früher wieder zu öffnen und damit den ursprünglich vorgeschlagenen Termin nicht einzuhalten. Ob diesem Beispiel österreichweit noch weitere Museen folgen werden, wird sich wohl Anfang kommender Woche entscheiden - dann nämlich soll es eine weitere Bundesmuseenkonferenz mit Kultur-Staatssekretärin Ulrike Lunacek geben.

Zuerst das Geld, dann die Musi (Kommentar: Michaela Reichart)
Im Gegensatz zu allen anderen Kulturveranstaltern haben die Museen und Galerien die Möglichkeit, bereits ab 15. Mai ihre Pforten wieder für Besucher zu öffnen. Allerdings nehmen die großen Institutionen wie etwa das Universalmuseum Joanneum oder das GrazMuseum diese Chance nicht wahr und vertrösten ihr Publikum auf 1. Juli. Ganz einfach, weil es im Kurzarbeitsmodell der Regierung billiger ist, geschlossen zu bleiben, als den großen Tanker wieder hochzufahren.

Aber gibt es da nicht auch noch etwas Anderes? Einen Bildungsauftrag, die moralische Verpflichtung, den Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen? Und gilt es schließlich nicht auch, den Kulturstaat Österreich abzusichern, an dem nicht nur unser guter Ruf, sondern eine jährliche Wertschöpfung von etwa 6 Milliarden (!) Euro hängt. Vielleicht schafft es der Bund in Zusammenarbeit mit Land und Stadt da einen Weg zu finden, der für alle gangbar ist.

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